Die eigene Stimme finden - Von Transition und Voice Training

Shownotes

Neue Folgen Gespräche mit Mutigen gibt es jeden zweiten Dienstag, überall, wo es Podcasts gibt! 🎙️ Ich freue mich, wenn ihr wieder einschaltet, Gespräche mit Mutigen abonniert & mit fünf Sternen bewertet ⭐️ ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠ Gästin: @⁠⁠⁠⁠iris.nebula.music

Host: @Theresa.Keller

Podcast: @⁠⁠gesprächemitmutigen

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00:00:01: Hallo, willkommen bei Gespräche mit Mutigen.

00:00:04: Mein Name ist Theresa und ich bin die Gastgeberin dieses Podcasts.

00:00:08: Meine heutige Gästin ist Lisa Pecher.

00:00:11: Sie ist promovierte Chemikerin- und Multiinstrumentalistin.

00:00:15: Mit ihr spreche ich darüber wie es ist als Transfrau die eigene Stimme zu finden?

00:00:21: Warum ein Kinobesuch ihr gezeigt hat dass sie transgeschlechtlich Und was eine riesige Wolke aus Gas und Staub im Weltall damit zu tun hat, dass sie jetzt Gesangsunterricht nimmt.

00:00:33: Viel Spaß bei der Folge!

00:00:58: dazu, also mir viele Gedanken gemacht und ich finde dich einfach ein sehr spannenden Menschen mit so vielen Facetten.

00:01:06: Und was mir bei dir natürlich sofort eingefallen ist als ich dich kennengelernt habe, als ich überlegt hab wie ich dieses Gespräch einleiten kann sind zwei große Komponenten die ich bei dir sehe.

00:01:18: einmal die Wissenschaft und die Musik.

00:01:21: in dem Fall es ist die Chemie bei dir.

00:01:23: und da wollte ich dich fragen Wie viel Chemie steckt für Dich?

00:01:27: in der Musik.

00:01:30: Das ist eine wirklich spannende Frage und zwar der Teilbereich der Chemie, wo ich drin geforscht habe.

00:01:39: also ich bin schon seit einigen Jahren nicht mehr in der Forschung aber ich bin in die Quantenchemie gegangen in die theoretische Chemie.

00:01:46: das hat sehr viel mit programmieren, mit Mathematik zu tun aber Ich hab es gewählt weil es irgendwie sehr viel tatsächlich sehr viel mit Musik und Farben und Kunst zu tun hatte, weil es nämlich so ist dass man sich dort bestimmte Eigenschaften anguckt von Molekülen und wie sie reagieren.

00:02:12: Und die diese Eigenschaft hängen von Schwingungen in den Molekühlen ab.

00:02:19: Man kann sich das vorstellen, wie wenn man zum Beispiel in der Gitarrenseite hat und die schlägt man an.

00:02:24: Dann gibt sie einen bestimmten Ton aus.

00:02:28: genauso also man kann jetzt nicht ein Molekül einfach anstoßen und dann klingt das aber z.B.

00:02:34: Wenn man den Farbstoff mit Licht anregt dann absorbiert er ja bestimmte Arten des Lichts und andere Arten wirft er wieder zurück.

00:02:43: und das Abgefahrene finde ich dass Mathematik hinter dem Ganzen ist exakt das gleiche.

00:02:50: Also man betrachtet unterschiedliche Größen der Welt, ein Instrument ist vielleicht einen Meter lang und so ein Molekül ist vielleicht ein paar Pikometer groß also wirklich zwölf Größenordnung kleiner.

00:03:06: aber es funktioniert auf die endlicher Weise und es hat auch immer einen eigenen Charakter.

00:03:12: und die Farbe ist dann zum Beispiel wie eine.

00:03:15: der Ton von einem Instrument, von einer Größe, von der Länge abhängig ist kann auch bei dem Farbstoff zum Beispiel.

00:03:21: Von der Lange des Moleküls dann abhängigt sein welche Farben es dann irgendwie absorbiert oder wieder abgibt.

00:03:27: und das fand ich einfach was wirklich faszinierendes.

00:03:31: und das war dann auch der Grund warum mich damit auseinandergesetzt habe weil ich da viele Parallelen gesehen hab in diesen beiden Bereichen meines Lebens die mich doch sehr begeistern und faszinehren

00:03:44: Super spannend.

00:03:47: War dir das schon so bewusst, als du dir überlegt hast?

00:03:50: In welche Richtung du gehst, war dir diese Parallelität schon am Anfang bewusst?

00:03:56: Also nicht am Anfang des Studiums aber als wir dann die ersten Vorlesungen zum Thema Quantenchemie hatten da habe ich das relativ schnell gesehen.

00:04:07: also ich fand es sowieso spannend da ich irgendwie auch in der Schule ganz gerne Mathematik irgendwie hatte ich Leistungskurs, hat mir sehr viel Spaß gemacht.

00:04:15: Aber das zu studieren wäre mir so ein bisschen zu trocken und Anwendungsfern gewesen.

00:04:20: Das war dann ein Bereich wo man quasi diese Art und Weise anwendet aber auf reale Systeme und dort dann auch schnell irgendwie die Parallelen zu anderen Bereichen im Leben sieht und deswegen habe ich das sehr schnell gesehen.

00:04:36: Irgendwann hatten wir dann auch so einen Modul Das hieß Materie und Strahlung, wo es halt auch um Spektroskopie ging.

00:04:41: Also wie reagiert Materie mit Licht vor allen Dingen oder mit anderen Arten von Strahlungen?

00:04:50: Und da waren wir die Parallele sofort sehr bewusst!

00:04:54: Ich bin erst nicht in diesen Bereich rein sondern habe etwas anderes gemacht also mehr so im Bereich Atmosphärenchemie ursprünglich Aber dann habe ich das doch ein bisschen vermisst.

00:05:04: Und das war auch der Grund, warum ich irgendwann von den Experimenten in die Theorie gewechselt bin weil man da halt so ganz tiefe Einblicke hatte in diese ganzen Schwingungen und verschiedenen Eigenschaften und sich da ganz intensiv mit auseinandersetzen kann.

00:05:18: Das hat mir einfach sehr viel Freude bereitet.

00:05:21: Du

00:05:22: hast jetzt gerade gesagt vom Studium.

00:05:25: Ich würde gerne bevor wir auf unser Hauptthema kommen, es geht ja hier auch um Mut und mutige Lebensentscheidungen von Menschen.

00:05:39: Würde ich gerne nochmal einen Schritt zurückgehen und in deine Kindheit Jugend blicken und von dir gerne erfahren wie sah so ein Sonntag bei euch aus?

00:05:52: Gelbe ist vielleicht eine typische Situation.

00:05:54: wer war dabei?

00:05:54: kannst du mir das atmosphärisch beschreiben.

00:05:58: Jetzt so in meiner Kindheit?

00:06:00: Oder in deiner Jugend, du kannst da was rauspecken.

00:06:03: Also der Kindheit war... In der Regel ging es am Sonntagmorgen in die Badewanne.

00:06:10: Jedes Kind oder ich sage ich verallgemeinere jetzt einfach aber das war bei uns so dass Sonntags der Tag zum Baden war.

00:06:17: Das heißt ich war morgens in der Wanne und dann wenn ich das geschafft hatte durfte ich ins Wohnzimmerunsinnung mit dem Maus gucken.

00:06:24: Das war immer was, auf das ich mich total gefreut habe und ich finde es ist so ein wundervolles Format.

00:06:31: Und vielleicht oder bestimmt hat er's auch mit dazu beigesteuert dass ich mich irgendwie auch sehr für Wissenschaft und sowas alles interessiert hab Genau und dann halt der Rest des Tages war also es gab da keine speziellen Sachen, die irgendwie jeden Sonntag passiert sind.

00:06:51: Aber ich hab ganz oft halt irgendwie Musik gehört.

00:06:56: Das konnte ich dann gleich auch im Wohnzimmer weitermachen noch irgendwelche CDs oder Schallplatten auflegen und manchmal habe ich mich dann auch mit anderen Kindern getroffen irgendwas gemacht.

00:07:06: wir waren draußen sind Fahrrad gefahren oder so.

00:07:09: Du hast gesagt jedes Kind du hattest also Geschwister?

00:07:13: Genau mein.

00:07:13: ich habe noch einen älteren Bruder der ist vier Jahre älte als ich.

00:07:18: Wo bist du groß geworden?

00:07:19: in welchem Bundesland?

00:07:21: Das war im Nordrhein-Westfalen, aber das Dreiländereck Nordrheimwestfalen Hessen und Niedersachsen.

00:07:27: Also quasi am östlichsten Punkt von NRW bin ich aufgewachsen, aber hatte auch regelmäßig Kontakt mit anderen Leuten aus dem nördlichsten punkt Hessens und dem Süden von Niednersachsen.

00:07:40: Auf unserer Schule waren dann die Klassen anfangs auch so nach Bundesländern aufgeteilt.

00:07:50: Jetzt möchte ich auch so ein bisschen auf unser Thema, auf unser heutiges Thema kommen.

00:07:54: Und zwar das Thema Gender und mich würde interessieren wann hat für dich angefangen die Thematik dass du gespürt hast irgendwie fühlst du dich nicht video-durchfühlen hättest sollen oder beschreib gerne was da Gedanken waren?

00:08:15: Die erste Konfrontation mit dem Thema hatte ich so im Kindergarten, weil mein Bruder und ich sind eigentlich relativ geschlechtsneutral erzogen worden von unseren Eltern und Großeltern.

00:08:28: Es gibt oft bei Transmenschen dieses Klischee, dass man ist nur wirklich trans, wenn man als Transfrau schon als Kind mit Puppen gespielt hat oder als Transmann als Kind schon Fußball gespielt haben.

00:08:40: Mein Bruder hat mehr mit Pappen gespielen als ich in der Kindheit.

00:08:44: Und bei mir war es, denke ich mal in jungen Alter.

00:08:47: Ich habe das Konzept Geschlecht irgendwie gar nicht wahrgenommen.

00:08:51: für mich waren alles alle Menschen irgendwie einfach Menschen Individuen und Das hat für mich irgendwie keine Rolle gespielt.

00:08:59: und im Kindergarten bin ich dann halt irgendwie damit konfrontiert worden dass da dort diese zwei Schubladen gab Mädchen und Jungs die Mädchen machen dies Und dann wurden mir gesagt, du bist ein Junge.

00:09:11: Deswegen musst du mit diesen Kindern spielen und diese Sachen

00:09:13: machen.".

00:09:18: Das habe ich nicht so richtig verstanden... ...und das hat mich irgendwann auch einfach gestört weil ich dann vor allen Dingen mit Kindern zusammengesetzt wurde... ...mit denen ich mich einfach nicht so gut verstanden hab.

00:09:31: Mit den anderen durfte ich dann halt nicht, weil da sind ja Mädchen.

00:09:34: Genau!

00:09:35: Und deswegen war das irgendwie schon damals.

00:09:39: irgendwie gab es schon relativ viel Reibung in meinem Leben.

00:09:44: Nicht, weil ich damals schon gesagt hätte, ich bin ein Mädchen oder so.

00:09:48: Ich meinte, diese Kategorisierung war mir damals relativ fremd aber einfach dass das dann dort so erzwungen wurde eigentlich schon und genau.

00:10:02: Das war irgendwie schon mindestens anstrengend für mich.

00:10:11: Konntest du das kommunizieren auf irgendeine Art und Weise oder hast du diese Gedanken für dich behalten?

00:10:19: Ja, die habe ich für mich behalten.

00:10:21: Also es war der Ort relativ katholisch-konservativ geprägt Und immer also setze Dich in Kindern und Jugend sehr häufig gehört aber dass macht man so und das macht man nicht So.

00:10:35: da wird auch selten begründet warum das so ist.

00:10:40: Also diese Sachen kamen wenig aus meiner Familie, aber halt sehr viel aus dem anderen sozialem Umfeld in dem Ort.

00:10:47: Und es gab so klaren Verhaltenskodex der entsprechend von deinen Kategorien dir vorgegeben wurde und da hattest du dich dran zu halten.

00:10:57: Es wurde nicht erklärt warum das so ist, aber es war halt ... Sobald du das nicht gemacht hast, wurde irgendwie schlecht über dich geredet.

00:11:04: Du wurdest gemobbt oder sonst was alles.

00:11:07: Das war schon sehr... Ja, sehr unangenehm für mich so und ich habe dann auch weil dieser Druck von außen sehr groß war.

00:11:15: Mich dann irgendwie nicht getraut da gegen zu rebellieren.

00:11:20: Ich weiß dass ich wahrscheinlich die Unterstützung meiner Familie gehabt hätte aber halt das andere Die ganzen anderen Menschen das war das war einfach überfordernd vor allen Dingen in dem Alter.

00:11:35: Aber war es so?

00:11:37: eher gemerkt hast, ich pass nicht so ins Schema.

00:11:40: Oder hast du schon gespürt, dass es auch was mit Gender zu tun hat?

00:11:46: Also in der Kindheit nicht so richtig.

00:11:49: Das fing mehr zur Pubertätzeiten an als diese Differenzen noch extremer wurden.

00:11:54: und halt mit Beginn der Pubertäte habe ich dann irgendwann auch gemerkt, irgendwas läuft hier ganz falsch.

00:12:02: Und das war dann so mit zwölf Jahren ... realisiert, dass ich trans bin.

00:12:07: Dass ich mich in der männlichen Geschlechterrolle einfach nicht wieder finde und das die Weibliche deutlich besser passen würde.

00:12:18: Aber auch da war es dann erstmal einfach nur der innere Konflikt war dann sehr groß.

00:12:23: aber dadurch, dass dieses Thema auch noch sehr scham behaftet war und es gab nur sehr wenige Personen in der Öffentlichkeit In Filmen oder so war das, wurde das halt eher lächerlich gemacht.

00:12:40: Oder als eklig dargestellt und das habe ich natürlich alles irgendwie aufgenommen und dachte okay dass ist jetzt die Welt.

00:12:47: und möchte ich, möchte ich lächerig und eklig sein?

00:12:49: Oder nicht?

00:12:50: Und deswegen hab' ich das halt irgendwie lange Jahre runtergeschluckt.

00:12:55: Du hast gerade gesagt du hast gemerkt irgendwas läuft falsch.

00:12:59: was meinst du damit?

00:13:00: also meinen aha moment war tatsächlich Als ich mit zwölf Jahren im Kino war und der erste X-Men Film lief, den habe ich mir mit meinem Papa angeguckt.

00:13:10: Und also vielleicht für alle die zuhören... Die X-men.

00:13:14: das ist so eine Gruppe von Superhelden und Superheldinnen wo alle irgendwie Mutanten sind und verschiedene Spezialfähigkeiten haben.

00:13:22: einer kann Laser aus seinen Augen schießen, der andere kann sich irgendwie regenerieren, die eine kann Gewitter erzeugen.

00:13:29: und es gibt die Figur namens Mystique die ihre Gestalt ändern kann.

00:13:33: Und ich weiß noch, ich saß im Kino und dachte, boah.

00:13:36: Wenn ich meine Gestalt ändern könnte, würde ich ein Mädchen

00:13:38: werden.".

00:13:39: Und in dem Moment das war so ein Uff!

00:13:44: Da habe ich quasi bin ich so in den Kino... Ich weiß noch ganz genau, ich bin so in die Kinosessel reingesungen und dachte so irgendwie auf einmal hat alles aus den letzten Jahren dieser ganzen Gefühle haben irgendwie Sinn ergeben unter einem Thema.

00:13:59: Und also das war ein sehr intensiver Moment, den ich wahrscheinlich auch für den Rest meines Lebens nicht vergessen werde.

00:14:06: Dann begann natürlich der Prozess, dass ich mich da erstmal in mir selbst miteinander gesetzt habe.

00:14:13: Mit zwölf Jahren?

00:14:15: Wie lange hast du das Thema dann für dich behalten bis du es erst einmal mit jemanden kommunizieren konntest?

00:14:21: Noch weitere zehn Jahre tatsächlich!

00:14:24: Das war damals in meiner ersten Beziehung, in der Mit Anfang zwanzig und also ich konnte in den Teenager Jan das ganz gut ausblenden.

00:14:35: Also, ich habe einfach im meinem ganzen Leben quasi mich selber und vor allen Dingen meinen Körper irgendwie einfach komplett ausgeblendet und hab mich sehr auf andere Menschen fokussiert was ich mit anderen Menschen zusammen machen kann.

00:14:48: Ich habe viel Jugendarbeit gemacht, ich hab viel Musik mit anderen menschen gemacht Und dieses gemeinsame Erleben für mich war irgendwie Also ich habe in der Gemeinschaft gelebt, so.

00:15:00: Ich hab aber nicht in mir selbst gelebt weil es da irgendwie diesen Konflikt gab und ich mich nicht getraut habe das irgendwie an andere zu tragen.

00:15:07: Ich mich selber auch dafür geschämt habe einfach und deswegen habe ich das ein bisschen mein Selbsterleben nach außen verlagert.

00:15:16: Aber natürlich in einer Paarbeziehung ist das halt schwierig wenn man zu zweit ist ganz viele verschiedene Arten nahekommt, dann geht es einfach nicht sich selber komplett auszublenden.

00:15:32: Und da gab's auch die innere Anspannung wurde bei mir immer größer und ich habe dann irgendwann gedacht Ich halte das nicht länger aus entweder ich rede jetzt drüber oder ich beende die Beziehungen.

00:15:45: Das war es mir irgendwie nicht wert die Beziehen zu beenden.

00:15:48: von daher hab' ich mich meiner damaligen Partnerin zum ersten Mal mit dem Thema geöffnet.

00:15:54: Magst du erzählen, wie das Gespräch war?

00:15:57: Das weiß ich tatsächlich nicht mehr.

00:15:59: Weil es so emotional überwältigend war... Wir haben beide sehr viel geweint.

00:16:07: Aber das lag größtenteils daran, dass es mir in dem Moment so schlecht ging und es einfach eine unfassbar große Barriere war darüber zu reden.

00:16:19: Das habe ich natürlich auch nicht beim ersten Anlauf geschafft.

00:16:22: Es gab dann irgendwie viele... ...viele Male, dass wir zusammen saßen und ich dachte so jetzt rede ich endlich drüber und dann... ...dann hab' ich mich irgendwie doch nicht überwinden können.

00:16:32: Also jetzt rückbleckend denke ich mir es ist schon okay weil ich in dem Moment einfach noch nicht bereit war.

00:16:38: So aber also ich sage mal liebevoll mit meinem Vergangenheitsich umzugehen ist auch was was ich erst in den letzten Jahren so gelernt habe.

00:16:48: Wo ich denke, ich möchte nicht sauer sein mit Dingen die ich früher hätte anders machen können.

00:16:55: Ich bin glücklich da wo ich gerade bin und von daher ist es schon nicht so schlecht

00:16:59: gelaufen.".

00:17:02: Das waren zehn Jahre nachdem wir das bewusst geworden sind und ich kann's natürlich gar nicht nachempfinden weil ich nicht in so einer Situation war.

00:17:11: aber ich stelle es mir unfassbar schwer vor zerwissen innerlich und das dann mit jemandem zu teilen.

00:17:20: Wie ging es dir danach, nachdem das erst mal raus war?

00:17:23: Wenigstens bei einer Person.

00:17:27: Also ich habe mich auf eine gewisse Art und Weise erstmal sehr wund gefühlt so ein bisschen wie wenn man beim Sport total zu weit treibt und irgendwie auf einmal tut alles weh so und man ist einfach nur total fertig.

00:17:40: Das waren zumindest die ersten Tage vielleicht auch die ersten Wochen.

00:17:45: Es war immer auch so, das Bedürfnis wieder irgendwie zurück in den alten Zustand zu kriegen.

00:17:51: Weil ich da ja zehn Jahre drin gewesen bin und... Auch wenn es nicht gesund war, hatte ich's mir da irgendwie bequem gemacht.

00:18:00: Ich versuchte einfach alles zu unterdrücken oder zu vergessen und fokussiere mich auf andere Dinge.

00:18:04: von daher war dann nach diesem ersten Outing Das war jetzt nicht so ein Zustand, wo ich mich sonderlich wohl drin gefühlt habe.

00:18:13: Ich wusste in dem Moment dass es notwendig ist gerade das ich das machen muss aber es war irgendwie das Bedürfnis da eigentlich wieder zurück in meine Ecke ungefähr.

00:18:23: Also irgendwann hat sich das dann auch normalisiert auch wenn wir dann öfters mal darüber geredet haben.

00:18:29: Irgendwann hab' ich dann mit meinen Eltern drüber gesprochen was auch sehr emotional war.

00:18:35: sehr viele Tränen geflossen sind.

00:18:39: Da war aber auch also vollstes Verständnis und Unterstützung.

00:18:42: Die waren in dem Moment nur traurig, dass ich das solange alleine mit mir rumgetragen habe und sie mir dabei halt nicht helfen konnten.

00:18:50: Das war für die glaube ich da die größte Belastung in dem moment.

00:18:55: Wie alt warst du als du es den Eltern erzählt hast?

00:18:58: Da war ich zwanzig.

00:19:01: Also das war dann auch im gleichen Jahr.

00:19:04: Aber schön, dass Sie dann auch so reagiert haben.

00:19:07: Es klingt sehr positiv.

00:19:09: Das dürfen ja auch nicht alle erwarten leider.

00:19:12: Ja,

00:19:12: da bin ich auch super dankbar für und ich weiß auch dass das nicht selbstverständlich ist, dass viele Kinder dann wirklich alle Formen von negativen Reaktionen manchmal von ihren Eltern bekommen und Ich bin auch als Transperson privilegiert in der Art und Weise, dass meine komplette Familie das einfach problemlos akzeptiert hat.

00:19:36: Es gibt vieles, was ich auch irgendwie online gelesen hatte.

00:19:39: Ging es darum... Ah!

00:19:40: Meine Eltern haben mich rausgeschmissen oder so.

00:19:43: Oder ich muss dann auf Familienfeiern wieder in der alten Geschlechtsidentität mich präsentieren und da hatte ich natürlich auch große Angst vor.

00:19:52: also Ich wusste dass meine Eltern mich lieben und unterstützen aber ich wusste halt nicht ob das auch diesen Aspekt irgendwie mit einschließt.

00:20:00: Und es war So richtig.

00:20:03: realisiert habe ich das als ich mal vor ein paar Jahren in Marburg bei so einer, also es war nicht wirklich eine Selbsthilfegruppe.

00:20:12: Es war mehr einfach so einen Treff für Transpersonen wo man über den Alltag reden kann oder vielleicht manchmal auch einfach nur Karten spielt.

00:20:19: und das war im Dezember und mich hat... Das war in Gießen ich habe in Marbuck gewohnt, mich hat jemand mit dem Auto mitgenommen und ich hab dann irgendwie so beiläufig erwähnt ja ich über nächste Woche kann ich nicht dabei sein weil ich da schon zu meinen Eltern fahre.

00:20:34: Und mein Weihfahrer meinte, ach so du bist über Weihnachten bei deinen Eltern und war überrascht weil es wohl in seinem Umfeld eher unüblich ist dass die Transpersonen dann über Feiertage irgendwie zu ihren Eltern fahren und Zeit mit denen verbringen.

00:20:52: Die haben halt dann immer so Weihnachtstreffs für sich veranstaltet was gleichzeitig schön und gleichzeitig auch traurig ist.

00:21:00: Also das war der Moment, wo ich das am stärksten realisiert habe.

00:21:04: Wie gut und wichtig das auch war, dass ich halt in der Hinsicht die Unterstützung von meinen Eltern hatte.

00:21:10: Du hast dir dann gesagt an einem Punkt okay du willst diesen Schritt machen?

00:21:15: Du willst nicht länger als Mann gelesen werden?

00:21:20: Wann hat der Prozess angefangen, dass du dich körperlich dann verändert hast?

00:21:25: Das ist...das hat noch eine ganz schöne Weile gedauert weil in Deutschland der Prozess damals noch so war, dass man psychologische Betreuung brauchte.

00:21:36: Es ist übrigens immer noch als psychische Erkrankungen gelistet dran zu sein.

00:21:43: im ICD-Xen also das ist die internationale Klassifizierung von Erkankungen und den ICD X gibt es seit ich glaube den späten neunzigern oder so und es gibt eigentlich seit ungefähr sechs, sieben Jahre aktualisierte Version.

00:22:00: ICD-Elf die neue Version wo das nicht mehr steht also Vorherstand psychische Erkrankung, Transsexualität und deswegen war die gesetzliche Vorgabe auch dass man psychotherapeutische Betreuung hat.

00:22:13: und so mittlerweile gibt es eigentlich in dem ICD Elf gibt es dann Geschlechtsinkongruenz

00:22:20: d.h.,

00:22:21: die in Anführungszeichenerkrankungen ist halt die Anspannung, die man spürt zwischen dem von außen zugewiesenen Geschlecht und der eigentlichen Geschlechtsidentität.

00:22:33: Was ich eine sehr menschlichere Art und Weise finde im Gesundheitssystem damit umzugehen.

00:22:39: aber das deutsche Gesundheitssystem hatte gesagt dass sie diesen neuen Katalog seit ab zwei tausend zwanzig umsetzen wollen.

00:22:47: er wurde glaube ich zweitausend neunzehn vorgestellt.

00:22:49: es ist immer noch nicht geschehen.

00:22:51: Da ist auch ganz viel politisches Dingzeug mit drin und genau.

00:22:59: Aber um jetzt nochmal zurückzukommen, damals war es so dass die deutsche Gesetzeslage, die sich zum Glück zum Besseren gewandelt hat in den letzten fünfzehn Jahren aber halt noch diese psychotherapie vorausgesetzt hat.

00:23:12: Es ging dann auch darum, es gab den sogenannten Alltagstests nach dem Motto Du musst erstmal beweisen das du das wirklich ernst meinst indem du jetzt ohne irgendeine Unterstützung aus dem Gesundheitssystem ein Jahr lang in der Öffentlichkeit, in dem gewünschten Geschlecht lebst.

00:23:28: Und dann sehen wir mal ob du das aushältst und erst dann kannst du angemessen behandelt werden?

00:23:33: Das ist auch eigentlich eine furchtbare Sache gewesen.

00:23:39: Wie wird es getestet?

00:23:42: oder wie funktioniert dieses eine Ja?

00:23:45: Du musst dann halt unter psychotherapeutischer Betreuung sein und halt regelmäßig darüber berichten.

00:23:52: Es gab natürlich viele Leute, die das dann einfach nicht gemacht haben und gesagt haben ja ich war einkaufen und irgendwie es war ganz okay und so was alles.

00:24:00: aber also es gab jetzt keine Beweispflicht so sag' ich mal.

00:24:06: Aber es musste irgendwie dann in den Gesundheitsakten halt auftauchen.

00:24:11: Also als ich da erstmalig mit angefangen hab Da fing das schon langsam an, so aufzuweichen.

00:24:20: Dass dann die Therapeuten und Therapeutinnen auch gesagt haben hier lassen, dass mal lieber parallel laufen und setzen schon mal irgendwie andere Räder in Bewegung.

00:24:29: Aber das wusste ich natürlich auch.

00:24:32: Und es war damals noch ... Also ich habe eben gesagt, im Jahr zwei Tausendzehn war das als ich mich erstmals Leuten geöffnet hab und diese ersten Schritte Wagen wollte.

00:24:42: es war damals tatsächlich noch so, dass per Gesetz Transmenschen sich sterilisieren lassen mussten um ihren Geschlechtseintrag zu ändern.

00:24:52: Wahnsinn!

00:24:53: Das wurde vom Bundesverfassungsgericht Zwei-Tausen-Eilf gekippt.

00:24:58: aber es war halt dreißig Jahre lang war das die Voraussetzung, die rechtliche Um diese...um die Anerkennung da zu bekommen was ich auch unfassbar finde.

00:25:12: Und natürlich habe ich auch, ich hatte mich vorher schon schlau gemacht und dachte halt auch okay.

00:25:18: Möchte ich das ist mir das irgendwie den Preis wert so?

00:25:22: Und also das war...und dann dachte ich so Ich bin Anfang zwanzig keine Ahnung wie dass bei mir zum Beispiel mit Kinderwunsch auszieht oder sonst was So und ich fand es einfach alles irgendwie nur sehr überwältigend und überfordernd.

00:25:37: Also zum Glück ist das damals gekippt worden.

00:25:40: Also das Gesetz war dann noch bis vor einigen Jahren rechtskräftig, aber bis es dann abgelöst wurde vom neuen Selbstbestimmungsgesetz.

00:25:51: Aber ja also auch diese Denkweise so... Man muss sich halt nur überlegen was für eine Vorstellung steht dahinter?

00:26:01: Wir können Menschengruppe nur erlauben gesellschaftlich anerkannt zu werden wenn sie sich sterilisieren lassen finde ich schon richtig krass.

00:26:11: Ja, das erinnert mich an andere Zeiten in Deutschland.

00:26:14: Ja leider also wie gesagt wir können froh sein dass diese Zeiten vorbei sind aber es ist halt auch noch nicht so lange her.

00:26:25: und in der Zeit in der du angefangen hast dich körperlich zu verändern Ich stelle mir das auch sehr aufwühlen natürlich vor Wenn man nicht gerade im Begriff ist, den Ort zu verlassen oder umzuziehen, bewegst du dich ja in dem gleichen sozialen Umfeld und natürlich deine Freunde.

00:26:46: Die wissen darum Bescheid.

00:26:48: aber im Kontext Arbeit veränderst Du Dich Natürlich?

00:26:52: Hast Du DICH aufgrund von Äußerungen von Menschen In dieser Zeit abgewandt?

00:27:00: Zum Glück Nicht!

00:27:01: Also ich habe auf der Arbeit so einen relativ harten Kart gemacht.

00:27:05: Also der ganze Prozess war während meiner Zeit, als ich in Marburg promoviert habe.

00:27:10: Mehrere Jahre später bin ich dann endlich geschafft die richtigen Schritte zu gehen und es war halt vorher so dass ich so in der Freizeit dann die weibliche Seite mehr ausgelebt hab aber irgendwie an der Universität auf der Arbeit noch nicht.

00:27:24: und irgendwann habe ich dann halt gesagt mir selber gesagt das war im März ... bin ich Lisa auf der Arbeit.

00:27:35: Punkt!

00:27:37: Und ich hatte mir schon ganz viel ausgemalt, so was wird's da für Probleme?

00:27:41: Für Konflikt geben und... Ich bin dann relativ früh auf die Arbeit und habe dann diese E-Mail an die Arbeitsgruppe geschrieben.

00:27:47: Ich hab gesagt hey hier Lisa bitte weibliche Pronomen verwenden.

00:27:52: Wenn ihr Fragen habt könnt ihr mich gerne ansprechen und dann ist irgendwie nichts passiert.

00:27:59: Also da war ich fast schon enttäuscht, weil ich irgendwie auch so viele Horror-Geschichten online gelesen hatte von Leuten die dann rausgeschmissen werden.

00:28:07: Die gemobbt werden und irgendwie meine Arbeitsgruppe war das egal.

00:28:12: Und ich meine, egal jetzt auf eine positive Art.

00:28:15: ja also ein paar haben dann ab und zu noch den alten Namen oder alte Pronomen mal gesagt.

00:28:22: aber wenn ich dann gesagt habe oder mich einfach einmal geräuspert hab dann haben sie sich schnell korrigiert und es war irgendwie In dem Kontext auch glücklicherweise überhaupt kein Problem.

00:28:32: Und ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist und dann war ich da auch sehr dankbar für.

00:28:38: Gleichzeitig habe ich mich auch ein bisschen geärgert weil mir so viele Gedanken und Sorgen über alle möglichen Szenarien gemacht haben.

00:28:46: Ich bin alles schon im Kopf durchgegangen.

00:28:48: wie würde ich reagieren wenn der oder der Konflikt auftritt?

00:28:52: Das ist dann nicht passiert und ich dachte dann so ein bisschen hab ich mich jetzt umsonst vorbereitet.

00:28:58: Aber so im Nachgang ist es ja eigentlich total schön, dass das dann so gelaufen ist.

00:29:04: Gab's da noch mal ein Gespräch mit irgendeiner Kollegin oder einem Kollegen?

00:29:07: Achja!

00:29:09: Ich hab deine E-Mail gestern gelesen... ...oder war wirklich ganz stillschweigen.

00:29:15: Also irgendwie war gar nichts.

00:29:16: also ich hatte natürlich mit meinem Betreuer, mit meinen direkten Vorgesetzten schon vorher drüber gesprochen.

00:29:21: So bestimmt schon halbis Jahr vorher meinte ich so hier Tranz und ich würde das gerne irgendwie im nächsten Jahr auch hier leben.

00:29:33: Der hat mich da auch irgendwie unterstützt, meinte hier wenn ich irgendwas für dich machen kann sagt Bescheid.

00:29:39: Genau aber vom Rest der Arbeitsgruppe.

00:29:42: Das war dann kein Problem.

00:29:45: also Ich habe bei ein paar Leuten gemerkt dass sie mich dann wenn sie vorher immer nur Hallo gesagt haben wir dann hallo Lisa gesagt schlecht.

00:29:51: Also ich fand es irgendwie süß.

00:29:54: Ich wusste nicht, ob es so etwas war um mir zu zeigen.

00:29:57: Hey ich mach das oder vielleicht auch für sie selber war dass die quasi sich selber den alten Namen abgewöhnen indem Sie sehr starken Fokus drauf verlegen den neuen Namen zu verwenden.

00:30:08: aber es gab in anderen Arbeitsgruppen habe ich das dann gemerkt dass Leute mit denen ich mich vor gut verstanden hab waren dann auf einmal haben mich nicht mehr angeschaut.

00:30:16: da gab's auch welche die das war glaube ich einfach irgendwie Unsicherheit.

00:30:20: denen hatte ich das jetzt nicht groß angekündigt.

00:30:22: Also, ich habe jetzt nicht allen hundert Leuten mit denen in geringstem Kontakt war irgendwie eine Mail geschrieben weil ich gedacht hab die kriegen das schon irgendwie mit und die können dann vielleicht auch einfach andere Leute fragen.

00:30:34: aber es gab wie gesagt so ein paar Leute vorher.

00:30:36: wenn wir uns gesehen haben haben wir uns irgendwie umarmt und auf einmal hat dieser Mensch mich gar nicht mehr angeschaut.

00:30:42: also sind alles Leute mit denen ich jetzt wieder irgendwie so ein herzliches freundschaftliches Verhältnis habe.

00:30:49: Gab es welche, die das sehr verunsichert hat?

00:30:54: Aber

00:30:55: alles in allem klingt sehr positiv.

00:30:57: Auch da wieder genauso wie mit der Familie eine schöne Überraschung.

00:31:01: Man bereitet sich total drauf vor und stellt sich das Schlimmste vor.

00:31:05: Die Argumente geht man innerlich durch ... Und natürlich mit deinem Aussehen hat sich auch deine Stimme verändert.

00:31:18: Das ist das nächste Thema, was ich gerne ... die ihr noch mal beleuchten will, weil ich das auch super spannend finde.

00:31:25: Natürlich in einem ganz anderen Kontext, auch hier mit dem Podcast.

00:31:28: Ich beschäftige mich gerade auch selbst mehr mit meiner Stimme und wie sie wirkt und was es da alles für Möglichkeiten gibt.

00:31:36: Und die Stimme ist natürlich eine Visitenkarte sehr persönlich.

00:31:44: Sie kann natürlich auch zeigen, ob man aufgeregt oder erkältet auch wie eine Stimme gesellschaftlich gelesen wird.

00:31:56: Und bei Transfrauen ist der Prozess von der dunkleren Stimme zur helleren Stimme komplexer als umgekehrt, das Testosteron hilft dass sich die Stimme von alleine tiefer anhört wohin gegen bei trans Frauen also männliche Personen die den Prozess hin zu Weiblichkeit machen schwerer ist.

00:32:21: Also das hilft nicht nur, es zu gehen zu nehmen sondern hier wird auch empfohlen noch eine Operation zu machen bei der Stimme plus Stimmtraining.

00:32:32: Mich würde interessieren wie war das bei dir?

00:32:34: Wo hat sich angefangen deine Stimme zu verändern?

00:32:39: und vor allem ist das ja was sehr Persönliches und also die Stimme ist ja auch Identität und das stelle ich mir auch wahnsinnig intensiv vor.

00:32:51: Also erstmal möchte ich noch sagen, Transfrauen müssen ihre Stimme nicht ändern.

00:32:56: Es gibt auch viele die dann einfach mit so einer tiefen und brummigen Stimme weiterreden.

00:33:01: Ich habe sogar mal mitbekommen es gab oder es gibt glaube ich eine Opernsängerin.

00:33:07: Transfrau ist glaube ich bariton Und sie singt weiter Bariton.

00:33:12: So sieht halt ganz anders aus als vor fünf Jahren aber singt halt immer noch diese tiefen und voluminösen Türen.

00:33:20: Und das finde ich auch irgendwie schön, dass zu machen, entweder dazuzustehen.

00:33:27: Man muss aber gleichzeitig auch sagen, dass die Stimme natürlich sehr bestimmt wie andere Leute einen wahrnehmen.

00:33:34: Wenn ich jetzt von Menschen, denen nicht zum ersten Mal begegne weiblich gelesen werden möchte dann kann man so ... konventionell feminin aussehen, wie man möchte.

00:33:47: Aber wenn dann so eine tiefe Brummstimme kommt ist es dann bei vielen wird man sofort in die männliche Kategorie einkategorisiert.

00:33:56: ja weil das dann also Menschen haben immer so ne Grenze wann packen sie jemand in die eine Schublade und die man in die andere?

00:34:04: Und dass diese Grenze das habe ich auch gemerkt verläuft bei jedem menschen woanders.

00:34:09: aber halt diese Stimme is schon so ne ganz ganz krasse Sache viele Leute dann doch einen sehr stark in diese eine oder die andere Kategorie einbringen.

00:34:24: Bei mir war es so, also ich habe keine Operationen an meinen Stimmbändern machen lassen.

00:34:29: Also vielleicht nochmal kurz zur Erläuterung ist das der Stimmbruch in einer Testosteron-Bobatät, sondern nenne ich's jetzt einfach mal Der lässt halt die Stimmenlippen wachsen Und wie wir es ja eben auch schon hatten mit den Modekülen oder bei Instrumenten, wenn etwas an Größe zunimmt dann werden die Frequenzen tiefer.

00:34:51: Wie

00:34:51: beim Kontrabass?

00:34:52: Genau!

00:34:53: Also der Unterschied zwischen einer Violine und einem Kontrabasse Sie haben die gleiche Form aber durch die unterschiedliche Größe haben sie dann eine unterschiedliche Tonhöhe und auch nur unterschiedliche Klangfarbe.

00:35:05: Und dieser Prozess... passiert ist, der lässt sich halt nicht wieder rückgängig machen.

00:35:13: Genau und aber halt so eine Operation wollte ich einfach nicht machen.

00:35:18: also das geht... Das ist erstmal teuer, das bezahlt die Krankenkasse nicht glaube ich zumindest und es geht auch immer mit einem Risiko einher dass man halt seine Stimme komplett verliert.

00:35:31: da ich halt damals schon gern gesungen habe war wollte ich das Risiko nicht eingehen und ich wusste auch mit Logopädie oder mit Übungen, man das ganz gut hinbekommen kann.

00:35:43: Ich habe allerdings am Anfang gedacht es geht hauptsächlich um die Tonhöhe und das denken viele Transpersonen oder auch andere, die ihre Stimme irgendwie verändern wollen dass diese weiblich-männliche Wahrnehmung eigentlich nur um die.

00:36:04: Es gibt viele Frauen mit einer tiefen Stimme, aber da würde trotzdem niemand denken okay das ist jetzt eine männliche Stimme.

00:36:13: Es gibt auch Männer mit einer hohen Stimme und irgendwann habe ich halt realisiert es geht mehr um die Klangfarbe also vor allen Dingen um die Resonanz.

00:36:22: wo im Hals oder im Mundbereich klingt der Ton?

00:36:28: Ist die Resonenz eher oben oder ist sie eher unten?

00:36:32: Genau!

00:36:32: Ich hab dann Viele Übungen gemacht, weil das hängt dann mit Zungenpositionen zusammen und wieder hinten im Mundbereich die Muskulatur verwendet.

00:36:42: Und ich habe dann fast zwei Jahre das Training gemacht und es hat irgendwie nicht funktioniert.

00:36:47: Ich war super frustriert!

00:36:50: Dann war ich mal in Frankfurt bei so einem Workshop der DGTI.

00:36:54: Das ist die deutsche Gesellschaft für trans- und intergeschlechtliche Personen.

00:37:01: Die hatten eine Veranstaltung zu einer öffentliche in Frankfurt und ich bin da mal hin.

00:37:05: Und dabei hat auch eine Logopädin vorgetragen, die hat dann über Kehlkopfanhebungen gesprochen.

00:37:12: Da hatte ich noch nicht von gehört.

00:37:13: Ich habe dann gemerkt das ist der Punkt, der mir noch fehlt.

00:37:18: Man muss überlegen wo beim Sprechen der Kehlkoff sitzt weil er bestimmt wie groß der Klangraum ist.

00:37:27: Wenn der Kehlkoff weit unten sitzt – das ist quasi wie beim Kontrabass – Und dann ist die Stimme klingt halt dann anders.

00:37:36: Während wenn ich ihn ganz weit hoch mache, ich ändere die Tonhöhe überhaupt nicht aber wie man vielleicht gehört hat das war diese beiden Extreme waren also es klang beides irgendwie so ein Zeichentrick Charakter.

00:37:50: Aber dass ist halt eine Sache wo ich dann gelernt habe das zu steuern und einfach mich irgendwann in einem Bereich gefunden hab wo ich gedacht habe.

00:37:59: okay das klingt jetzt So wie's mir ganz gut gefällt.

00:38:03: Ich bin tatsächlich in der Tonhöhe – das habe ich auch geübt, aber ich gewinne gar nicht so viel höher als vorher.

00:38:09: Es ist viel mehr die Resonanz.

00:38:12: und irgendwann, als ich dann das mit der Killkopfanhebung gelernt hatte da hat es auf einmal auch viel mehr Spaß gemacht weil ich dann gemerkt hab ja was es dafür Möglichkeiten gibt?

00:38:27: Du hast gerade gemeint dass du zwei Jahre schon trainiert hattest.

00:38:32: jetzt ...

00:38:32: habe ich die Frage, er hat sich bei dir durch das Östrogen... ... hat sich die Stimme auf irgendeine Art geändert?

00:38:40: Nein.

00:38:41: Gar nicht!

00:38:42: Und dann hast du für dich alleine trainiert oder hattest...?

00:38:46: Genau.

00:38:46: Ah okay.

00:38:47: Das

00:38:47: Problem ist es gab zu dem Zeitpunkt vielleicht fünf Personen in Deutschland, die das mit einer Logopädie Praxis gemacht haben.

00:38:55: und wie viele Transmenschen gibt es.

00:38:58: Ich glaube der Schätzwert ist so knapp ein Prozent der Bevölkerung.

00:39:02: Das heißt, achthunderttausend Menschen wollen von fünf Personen behandelt werden.

00:39:08: Also es gibt mittlerweile natürlich deutlich mehr.

00:39:09: aber da hatte ich auch mich im Internet schlau gemacht und dann hieß es auch okay ja die haben eine Warteliste vielleicht kommt man in zwei bis drei Jahren dran.

00:39:18: und dann dachte ich Dann versuche ich mir jetzt irgendwie mit YouTube Videos Tipps und Tricks zusammen zu suchen Und wie ich eben meinte die ersten zwei Jahre hat das nicht so gut geklappt.

00:39:28: Aber dann irgendwann hat's dann doch gut geklappt.

00:39:34: Und diese Kehlkopfanhebung hast du gesagt.

00:39:37: Das macht man komplett alleine da?

00:39:39: Das ist eine Sache der Muskulatur, es ist so ein bisschen wie so Rückenhalterung.

00:39:46: Es gibt ja Leute die irgendwie mit einem gebeugten Rücken laufen und dann wenn sie Leute dann irgendwie ein halbes Jahr joggen gehen, dann merkt man sofort dass das die Rückenhaltung ganz anders ist, dass der Rücken gerade gehalten wird.

00:39:57: und das ist halt auch eine Übungs- und Trainingssache.

00:40:02: Mund und Halsbereich hat der Mensch halt auch viel Muskulatur.

00:40:05: Und noch da kann man dann halt die, die Haltung dann irgendwie ändern.

00:40:09: Man muss es halt nur häufig üben.

00:40:13: Ich kann vielleicht mal eine Übung präsentieren für den Kühlkopf.

00:40:15: Ja sehr gerne!

00:40:16: Und zwar ist das das mit dem großen Hund und dem kleinen Hund.

00:40:20: Wenn man einfach mal versucht so zu hächeln wie ein Labrador, dann hört sich das vielleicht so an... Wenn man dann noch versucht zu hächeln wie ein Chihuahua, da ist es eher so.

00:40:39: Also ich glaube das können alle so ein bisschen nachmachen.

00:40:42: und wenn man dann mal die Hand auf den Hals legt und dann halt den Unterschied zwischen ... Und dann merkt man dass bei dem Chihuaha hächelt, dass der Kehlkopf nach oben wandert.

00:40:54: Und wenn man das dann irgendwie jeden Tag übt und dann irgendwann vielleicht noch die Stimme mit einbringt bekommt man so ein Gefühl dafür, das halt bewusst zu steuern.

00:41:05: Und dann ist es nur noch eine Übungssache bis man sich nicht darauf fokussiert, dass man nicht einfach den Killkopf soweit wie möglich fallen lässt, wie das viele Menschen beim Sprechen machen, sondern dass man ihn auf irgendeine andere Stelle halten kann, wo das besonders gut klingt und die eigene Stimme besonders gut gefällt.

00:41:27: Wie lange hast du gebraucht, dass du im Alltag so sprechen konnte, dass der Kielkopf auf einer Höhe ist wo es für dich angenehm war?

00:41:35: Das weiß ich tatsächlich nicht.

00:41:37: Also ich habe jahrelang das jeden Tag geübt.

00:41:40: Ich hab dann immer... Immer wenn ich draußen spazieren war, habe ich halt irgendwelche Straßenschilder vorgelesen und dann immer versucht dann auf den eigenen Klang zu achten.

00:41:51: Das heißt da bin ich durch Marvel gespatziert gegangen und hab dann quasi gesagt Gießen!

00:41:59: Und wenn man das einfach nur jeden Tag immer wieder und immer wieder macht, wie ich eben meinte.

00:42:05: Das ist wie mit Sport.

00:42:08: Es ist auch eine gewisse Art und Weise von Sport bloß darauf dass die Muskulatur sonst halt irgendwie nicht trainiert wird.

00:42:14: Genau!

00:42:15: Das muss man einfach nur oft genug machen und irgendwann passiert es dann von ganz alleine.

00:42:20: aber das ist so ein langsamer Prozess, dass ich jetzt überhaupt nicht sagen kann wann war das?

00:42:27: Also ich weiß, dass das ... Boah.

00:42:30: Irgendwann dann im Jahr zwei- tausend, siebzehn, zweitausend und achtzehn hatte ich dann das Gefühl, okay, ich bin jetzt an einem Punkt wo ich da zufrieden bin.

00:42:38: Aber jetzt in den letzten Jahren hat sich das auch schon wieder geändert weil ich zum Beispiel seit einem Jahr Gesangsunterricht nehme Und meine Gesangslehrerin mich so ein bisschen ermutigt damit die Stimme beim Singen voller klingt den Killkopf doch wieder weiter nach unten zu machen.

00:42:53: Da habe ich mich am Anfang so ein bißchen gegen gesträubt weil ich es halt seit sieben oder acht Jahren mir selber das quasi verboten habe.

00:43:01: Und das war jetzt so ein Prozess, wo ich mich langsam ran tasten musste.

00:43:06: aber ich hab dann irgendwann gemerkt okay dass die Töne klingen besser, die Stimme klingt voller.

00:43:11: Ich kann besser die Töhne richtig treffen wenn ich da mehr Raum gebe und das hat sich auch auf meine Sprechstimme ausgewirkt.

00:43:19: Das heißt dies ist jetzt auch ein bisschen anders als dies zum Beispiel vor zwei Jahren war bisschen witzig.

00:43:30: Du hast jetzt gerade schon gesagt, du hast Gesangsunterricht genommen.

00:43:33: also nachdem noch mal einen Schritt zurück, nachdem du zwei Jahre versucht hast es alleine komplett zu machen, hast du dann ja auch... du warst dann bei einer Lokopädin?

00:43:43: Nein!

00:43:43: Das heißt du hast es für dich auch weiterhin allein trainiert und dann kam das erste Mal sozusagen in einem anderen Kontext in der Musik wieder da haben wir's wieder.

00:43:56: im Gesang kam dann Gesangsunterricht hinzu, was natürlich ... also wenn die Stimme da schon so ein präsentes dominantes Thema gerade ist das viel Raum einnimmt finde ich es unfassbar mutig zu sagen.

00:44:16: So und jetzt Gesang!

00:44:19: Weil Gesang etwas so persönliches ist wie die Stüme ja auch.

00:44:27: Und dann zu sagen, ich mache das jetzt.

00:44:30: Wie kam es zur Entscheidung was du gesagt hast?

00:44:33: Ich will jetzt auch noch singen lernen.

00:44:35: also der punkt war ich hatte so ein neues musikprojekt schon seit fünf jahren wo ich so instrumental stücke aufgenommen hatte und dann leute gefragt habe ob sie dazu singen möchten.

00:44:48: er ist eine freundin aus heidelberg.

00:44:50: die hat dann irgendwie damit zusammen an einem song gearbeitet ... war in den Jahren, ... ... und das war dann irgendwie relativ schwierig.

00:45:00: Und es ist irgendwie ... ... im Sande verlaufen... ... und irgendwann ist diese Freundin dann abgesprungen ... ... oder hat sich einen anderen Freund aus der Heimat gefragt, ... ..."Möchtest du nicht

00:45:10: singen?".

00:45:10: Und er hat auch gesagt ja, ... "...und dann war's bei ihm

00:45:13: auch.".

00:45:13: Irgendwie andere Teile des Lebens waren dann irgendwie schwierig.

00:45:18: Und dann, als ich nachdem ich die dritte Person gefragt hab, die glücklicherweise sehr schnell abgesagt hat, habe ich gedacht so jetzt habe ich die Schnauze voll.

00:45:27: Ich mache einfach den Gesang selber fertig weil die Songs waren quasi bis auf den Gesangen fertig und die Lagen halt seit fünf Jahren auf meiner Festplatte rum und ich wollte sie ganz gerne live spielen mit Leuten teilen und dann dachte ich komm ich probier es mal.

00:45:44: also ich hatte zu Schulzeiten im Schulchor gesungen.

00:45:47: Witzigerweise habe ich Bass gesungen.

00:45:53: So wie da wollte ich natürlich nicht singen, aber ich hab mir dann auch eine Gesangslehrerin gesucht wo ich auch wusste dass sie halt auf solche Themen sensibilisiert ist die heißt Shader Siebel ist in Mannheim wirklich tolle Gesangslehrerinnen also gibt auch Coached Leute fürs Sprechen wenn es irgendwie keine Ahnung Sachen ... im Podcast zum Beispiel einsprechen wollen.

00:46:21: Genau, aber die ist dann auch wirklich auf sehr sensibler Art da mit an das Thema rangegangen und sie fordert auch immer ein bisschen... Also ich habe eigentlich in jeder Stunde das Gefühl dass ich genau einen Schritt außerhalb meiner Komfortzone bin.

00:46:36: Und das ist eigentlich also in dem Moment es ist immer so ein bisschen anstrengend, aber eigentlich ist es ja ganz gut Weil immer nur in der Komfortzone bleiben, dann ist es total schwierig irgendwie Fortschritt zu machen.

00:46:49: Und zu weit rausgehen gibt's vielleicht auch oft so eine starke Reaktion wieder zurückzugehen.

00:46:54: aber das macht sie schon wirklich gut.

00:46:57: und ich bin dann auch an einem Punkt angelangt wo ich auch sehr zufrieden war.

00:47:02: Wir haben dann Leute.

00:47:05: als wir jetzt im Dezember den Auftritt hatten waren Leute die mich seit über zehn Jahren kennen meinten so boah Krass, wie viel besser deine Stimme beim Gesang im letzten Jahr geworden ist.

00:47:16: Also die meinten das ist richtig, richtig hörbar.

00:47:22: Was war ein Schritt außerhalb deiner Komfortzone?

00:47:26: Naja wir sind ja da über diese Kelkopfgeschichte dran gekommen.

00:47:29: Das war auf jeden Fall ein Schritt weil ich gedacht habe wenn ich die Stimme jetzt voller mache dann klingt sie automatisch maskulina und es ist bei vielen transpersonen immer sehr ... eine Sache, also es gibt den Begriff des Passings.

00:47:47: Also wie gut werde ich von anderen Menschen als das Geschlecht wahrgenommen... was ich bin?

00:47:56: Also wie ich mich selbst definiere?

00:47:59: und wenn ich zum Beispiel jetzt... Ich bin transweiblich!

00:48:02: Wenn ich draußen mit Leuten rede und immer als Frau wahrgenommen werde dann habe ich ein gutes Passing.

00:48:10: primär als Mann lesen würden, dann hätte ich ein schlechtes Passing und da gibt es dann so eine Skala.

00:48:14: Genau!

00:48:15: Und natürlich wenn ich die Stimme so verändere, erhöhte sage ich mal das Risiko, dass sich anders gelesen werde... Ich habe mir gedacht, es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ich wieder in Situationen komme, die mich irgendwie verletzen könnten weil Leute meine Identität nicht anerkennen um mich etwas anderes zu lesen.

00:48:40: Genau und das ist etwas, was auch immer noch irgendwie in meinem Kopf passiert.

00:48:45: Wo ich so denke okay wie klingt denn meine Stimme?

00:48:48: Und ich bin jetzt im Gesang angekommen dass sich so denke irgendwie klingt sie ein bisschen androgyn also nicht so klischemäßig feminin aber halt auch nicht so maskulin.

00:49:02: und ich denk mir wenn jemand die Musik einfach anhört und nicht wüsste Was ist das für ein Mensch?

00:49:10: Also ich könnte nicht sagen, ob da jemand sagt okay.

00:49:13: Da sind eine Frau so aber es wird aus sichern.

00:49:17: sicher würden die Leute auch nicht sagen Okay, da singt auf jeden Fall einen Mann und also mir ist auch Und da schließt sich so ein bisschen der Kreis zu dem was wir am Anfang hatten weil ich da meinte dass Ich als kind so geschlechts kategorisierung Für mich irgendwie also ich die total abwegig fand und von daher finde ich's in dem Spirit, finde ich es auch irgendwie cool eine Gesangstimme zu haben.

00:49:41: Die einfach nicht in diese beiden Schubladen reinpasst sondern sowas Eigenes ist und halt so viel Charakter hat dass man sagen kann das bin ich Und nicht sagen kann ah das is jetzt ne typische Männerstimme oder eine typische Frauenstimme.

00:49:55: Wie verletzlich machst du dich wenn Du mit Gesangen auf der Bühne stehst?

00:50:05: Man fühlt sich schon ein bisschen nackter als wenn man einfach nur ein Instrument spielt, weil die Stimme halt was deutlich persönlicheres ist.

00:50:13: Sie ist auch anfälliger.

00:50:14: ja wenn ich eine Erkältung habe kann ich zwar noch genauso gut Gitarre spielen Ich hab vielleicht Kopfschmerzen dabei aber mit einer Erkeltung zu singen Ist schon mal eine deutlich schwierigere Angelegenheit und es ist halt irgendwie auch etwas deutlich Persönlicheres.

00:50:32: Also jedes gespielte, jedes Spielen eines Instruments ist auch sehr persönlich hat.

00:50:37: Sehr viel Charakter aber bei der Stimme ist das nochmal was anderes und da war.

00:50:42: deswegen war ich bei den ersten Auftritten die ich jetzt hatte auch wirklich aufgeregt.

00:50:48: so also nicht weil ich vor irgendwas bestimmt im Angst hatte aber einfach weil ich so das Gefühl habe irgendwie ich zeig mich auf eine Art und Weise Entblöster ist, als das jetzt sonst bei Auftritten war.

00:51:04: Also ich habe viele Jahre, hab' ich auch Konzerte irgendwie entweder in Instrumentalprojekten oder meinetwegen am E-Bass in Bands wo jemand anderes gesungen hat gespielt.

00:51:15: aber das war dann schon was Besonderes.

00:51:18: und ich muss sagen wenn es dann gut klappt sind die positiven Emotionen sehr stark und wenn's nicht klappt sind auch die negativen Emotionen dann stark.

00:51:27: Deswegen ist das Live-Sing, finde ich eine emotional deutlich extremere Angelegenheit als andere Arten des Livemusikmachens.

00:51:41: Und würdest du sagen, du hast deine Stimme schon gefunden?

00:51:48: Ich glaube nicht dass es so die meine Stimme gibt weil das immer auch ein bisschen Lebensabschnitt abhängig ist.

00:51:57: So, ich meinte ja schon eben dass sich die auch im letzten Jahr noch mal verändert hat.

00:52:01: Auch die Sprechstimme und da wo ich jetzt bin das fühlt sich jetzt in diesem Moment richtig an Und wie sie vor drei Jahren war, hat sie... Wie sie da war, richtig angefühlt und das wo ich Jetzt Bin hätte sich anders angefühelt.

00:52:15: Wir Menschen sind ja nicht einfach so Dass wir erwachsen werden und dann bleiben wir für immer so wie wir mit Anfang zwanzig sind.

00:52:23: Es ist ja irgendwie immer im Wandel, wir erleben immer neue Dinge.

00:52:27: Wir machen neue Erfahrungen und dadurch verändern wir uns auch irgendwie immer ein bisschen und das finde ich eine schöne Sache.

00:52:36: Ich würde mich glaube ich zu Tode langweilen wenn ich jetzt für die nächsten fünfzig Jahren der gleiche Mensch mit allen gleichen Wesenzügen bleiben würde und deswegen vielleicht bleibe ich bei der Stimme wie sie jetzt.

00:52:50: Vielleicht erinnert sie sich im nächsten Jahr, vielleicht erinnerte sie sich in zwanzig Jahren.

00:52:53: Ich weiß es nicht aber ich mache einfach in jedem Moment das was sich richtig anfühlt

00:52:58: und jetzt fühlt sie sich richtig an.

00:53:00: genau ja dass ist schön und ich meine die stimme ändert sich sowieso im verlaufe des lebens und natürlich hört sich eine person die fünf zehn ist anders an als eine person wie fünfzig ist.

00:53:12: und allein dadurch hast du ja noch mal haben wir alle noch viel vor uns mit unserer Stimme und wo die sich hin bewegt.

00:53:22: Du hast schon sehr früh angefangen Musik zu machen, Musik ist ein super großes Thema in deinem Leben.

00:53:31: Wie heißt eigentlich dein Projekt was du gerade begonnen hast?

00:53:37: Und wie hat sich das verändert als männlich gelesene Person weiblich gelesenen Personen durch diese Musikszene sich zu bewegen.

00:53:46: Also das aktuelle Projekt heißt Iris Nebula, manche sprechen es auch deutsche Iris Nebula aus, weil ich Astronomie sehr toll finde ist einfach nach einem schönen Nebel am Nachthimmel benannt.

00:53:58: aber ich dachte mir dann dass der Englischer Name irgendwie besser passt auch weil er sich auch Deutsch aussprechen lässt.

00:54:04: und Da haben wir auch wieder diese Sache mit nicht eindeutig kategorisiert werden.

00:54:08: Das ist etwas, was sich irgendwie sehr durch mein Leben zieht und wo ich immer viel Freude drin finde.

00:54:17: Ich sage mal so es war bei mir auch ein langsamer Prozess diese neue Identität mit in die Musik zu bringen.

00:54:25: und ich habe zu der Zeit als diese Übergangsphase nenne ich es jetzt mal zwischen den Geschlechtern.

00:54:34: Da habe ich vieles in der Musik ruhen lassen, weil ich hab nebenbei eine Doktorarbeit geschrieben und musste irgendwie diesen ganzen Papierkram bezüglich meiner Identität machen.

00:54:48: Und das hat beides unfassbar viel Energie gekostet.

00:54:51: und dann dachte ich so... Ich lass die Musik halt erstmal ruhen!

00:54:56: Weil ich halt einfach keine Energie dafür habe und die anderen Sachen gerade wichtig sind wichtiger sind.

00:55:03: Und ich war mir da aber auch sicher, es wird schon wieder einen Moment geben wo die Musik wieder mehr Raum in meinem Leben einnehmen wird.

00:55:11: Also ich war dann öfters noch mit auf Veranstaltung oder habe mal mitgeholfen bei der Technik Ermischpult oder sonst was beim Aufbau und Abbau.

00:55:21: Da bin ich öfterst mithin und hab mir natürlich viele Konzerte angehört auch von Vans wo ich die Menschen sehr gut kenne.

00:55:28: Aber das war dann erst in den letzten Jahren so dass ich dann wieder aktiv angefangen habe.

00:55:35: Es war, im Jahr zwei Tausend Achtzehn hab' ich bei einem Konzert in der Heimat mal von meinem elektronischen Projekt die instrumentalen Songs, die ich zuletzt glaube ich vier Jahre zuvor als männlich gelesene Personen performt habe.

00:55:50: Die habe ich da gespielt und es war... Ich war auch sehr aufgeregt aber es war ... auch sehr befreiend dann zu wissen das die Leute das auch gerne zuhören und mich da irgendwie wertschätzen auch in dieser neuen Rolle.

00:56:10: Also das war ein wirklich, wirklich schönes Erlebnis.

00:56:14: ansonsten hat sich so an der Umgangsform.

00:56:18: es hat sich natürlich was geändert aber auf eine gewisse Art und Weise auch nicht weil es da zumindest in der Musik Szene in der ich mich bewege auch mehr die Individuen sind die betrachtet werden.

00:56:33: Man muss aber gleichzeitig auch sagen, dass der Frauenanteil wie grundsätzlich in der Musikbranche extrem gering ist.

00:56:41: Ich würde sagen unter zehn Prozent der Menschen die halt aktiv in der Band spielen... ...in meinem Umfeld wahrscheinlich eher sogar noch weniger sind halt irgendwie weibliche oder meinetwegen nicht binäre Personen.

00:56:54: Der Großteil sind halt immer noch Männer.

00:56:58: also die unterstützen mich und andere Frauen aus anderen Geschlechtern, Musikerinnen auch super gerne.

00:57:07: Aber es ist einfach so eine Sache grundsätzlich bei Musik dass es einfach ein extrem Männerdominiertes Feld ist.

00:57:18: Warum glaubst du?

00:57:19: Ist das so?

00:57:21: Naja, das ist so ein bisschen ne gesellschaftliche Sache.

00:57:26: also ich denke einerseits ist es über Jahrzehnte fast schon Jahrhunderte so gewachsen da man sich anguckt wer hat vor ... dauernd Jahren Lieder komponiert.

00:57:37: Das waren halt größtenteils die Männer, so es gibt dann halt noch... ...meine Regen gibt's noch Clara Schumann vielleicht ist in Deutschland noch relativ gut bekannt als Komponistin.

00:57:47: aber wenn du Leute fragst ja nach Musikerinnen und das hat sich irgendwie sofort geführt.

00:57:55: natürlich ist im XX Jahrhundert sehr viel passiert in Sachen Frauenrechten aber ja so Dynamiken Vor allen Dingen bei so was wie Musik, Kultur und Community.

00:58:11: Das braucht halt ein bisschen länger bis ich da irgendwie Gleichstellung durchgesetzt hat Und ich glaube es ist immer noch ein bisschen so dass Bei Männern das eher erwartet oder ermutigt wird Dass sie sich kreativ ausdrücken als bei Frauen.

00:58:31: Zumindest ist das eine Vermutung von mir weil ich mir sonst irgendwie nicht erklären kann, warum ich so wenige Frauen kenne die anfangen Musik zu machen.

00:58:42: Also es gibt mit jedem Jahr werden das mehr.

00:58:46: aber ja früher waren's halt weniger und jetzt sinds nicht mehr ganz so wenigen Aber immer noch nicht so viele wie sie sein könnten.

00:58:57: Da helfen wahrscheinlich auch Vorbilder.

00:58:58: oder wenn man sieht als vierzehnjähriges Mädchen Wieder eine coole Frauenband.

00:59:06: Das wirklich auch.

00:59:08: Ja, total!

00:59:09: Also das ist bei ganz vielen Sachen bei dieser Thematik so dass es einfach Rollenvorbilder braucht.

00:59:16: und was ich mir halt wünschen würde wäre in der Musikszene wo's mehr um Bands geht die zusammen Songs schreiben.

00:59:24: da würde ich mir das mehr wünscht mit den Frauen weil es gibt also es gibt in der Popmusik schon seit vielen Jahrzehnten erfolgreiche Frauen aber das sind meistens Weißens halt irgendwie Sängerin, die entweder schreiben sie ihre eigenen Songs.

00:59:38: Ja früher keine Ahnung vielleicht Joni Mitchell in den Siebzigern Kate Bush in den Achtzigern dann Nina Simone und sowas alles das sind ja alle bekannte Frauen die unfassbar einflussreich auf die Musikgeschichte Musikkultur waren.

00:59:56: aber die haben dann irgendwie alleine ihr Ding gemacht.

00:59:59: wenn man sich Bands anguckt immer noch sehr viele Bands, die halt irgendwie nur aus Männern bestehen.

01:00:08: Ich habe kürzlich mal so eine Internetseite gesehen und die fand ich sehr spannend.

01:00:12: Die nehmen sich Festival-Poste aus dem letzten Jahr zu ein Festival wo dann so fünfzig Bandnamen draufstehen und die lassen nur die Bands drauf, wo mindestens eine Frau mit auf der Bühne steht.

01:00:24: Es spielt keine Rolle in welcher Rolle sie steht.

01:00:30: Ich glaube, sie sollte irgendwie schon einen kreativ Beitrag haben.

01:00:32: Vielleicht jetzt nicht so eine Background-Tänzerin?

01:00:34: Aber wenn der Frau irgendwie ein Instrument spielt oder singt bleibt die Band mit drauf und das ist krass wie leer manche Festivalplakate dann werden!

01:00:44: Und es geht ja noch nicht mal drum, Bands zu haben, die nur aus Frauen bestehen oder wo's Fifty-Fifty isst sondern es reicht, wenn einer einzige Frau drin ist und auf manchen Festivals fallen dann neunzig Prozent der Bands, die dort spielen weg.

01:00:58: Zum Glück wird auch das besser, aber es ist manchmal immer noch sehr schockierend.

01:01:03: Das gleiche auch in der Kunstszene geht durch die Museen.

01:01:07: Da haben

01:01:08: wir

01:01:08: die Parallel wieder.

01:01:11: Ich hätte noch drei letzte Fragen.

01:01:15: Die eine wäre was hast du mit Iris Nebula noch vor?

01:01:21: Es gibt sechs Songs, die ich geschrieben habe und die sollen erstmal aufgenommen werden.

01:01:29: Also wir hatten jetzt Ende letzten Jahres drei Auftritte, also ich habe die Songs geschrieben.

01:01:34: aber ich hatte dann einen Freund aus der Heimat mit dem ich früher auch Musik gemacht hab.

01:01:39: den hatte ich gefreut ob er live Bass spielen möchte.

01:01:43: Dieses Schlagzeug lief dann quasi vom Band.

01:01:47: Ich würde gerne bei den Aufnahmen das dann ein richtiges Schlagzeuge ist und da habe ich jetzt jemanden gefunden... Auch ein Mann!

01:01:56: Man sieht wieder so ein bisschen das Symptom über, dass wir vor fünf Minuten gesprochen haben.

01:02:00: Genau aber da wird jetzt im April wird der dann das Schlagzeug eintrummeln und dann nehme ich nochmal Bass und Gitarre auf und dann noch mal den Gesang mit meiner Gesangslehrerin.

01:02:09: Und dann wollen die Songs auch veröffentlichen, dass sich die Leute das auch anhören können wann und wo sie möchten.

01:02:17: Ich möchte natürlich auch mehr Konzerte spielen in diesem Jahr oder im nächsten Jahr gerne unter.

01:02:25: Man muss aber halt erstmal Fuß fassen in der Musik Szene, wo ich jetzt lange draußen war.

01:02:31: Und vor allen Dingen dann irgendwie Kontakt knüpfen und Leute anschreiben und sagen hey wenn ihr so einen Bandabend habt und ihr braucht noch den Eck, dann meldet euch mal.

01:02:43: Also viel muss ich dann sicher auch proaktiv machen einfach irgendwelche Locations anschreiben Und dann schickt man meistens so ein Pressekit mit Foto, Bandbeschreibung und ein paar Songs die sie sich anhören.

01:02:58: Da bin ich gerade noch im Prozess das fertig zu machen.

01:03:02: Genau aber das ist aktuell der Plan.

01:03:05: die sechs Songs aufnehmen dieses Jahr Ich würde einfach mal sagen mindestens fünf Konzerte spielen und dann schauen wir immer weiter was danach kommt.

01:03:14: Also hier der Aufruf von alle die es jetzt hören gerne an dich Auf was sind deine Eltern stolz, wenn sie über dich reden?

01:03:29: Auf alles schätze ich.

01:03:31: Also ich glaube vor allen Dingen das ist nicht nur bei mir auch beim Bruder so wie gut wir uns geschlagen haben und dass wir selbstständige erwachsene Menschen sind die irgendwie in einer schönen Beziehung sind.

01:03:47: oder mein Bruder hat Familie schon zwei Kinder.

01:03:51: Es geht uns gut mit unseren nächsten Menschen, wir haben Berufe die uns Spaß machen.

01:03:57: Wir haben Hobbys die uns Spass machen.

01:03:59: so wir haben also ich und Studium eine Promotion mein Bruder hat eine Ausbildung gemacht das hat alles funktioniert.

01:04:09: so da sind eigentlich sie stolz dass wir zu guten erwachsenen Menschen geworden sind die ihr Leben im Griff haben liebevoll und einfühlsam mit ihren Mitmenschen umgehen.

01:04:24: Schön!

01:04:26: Und was fasziniert dich?

01:04:32: Eigentlich alles, ich muss sagen als Wissenschaftlerin finde in allem im meinem Umfeld in der Natur irgendetwas was mich fasziniert.

01:04:46: Ich könnte mir zum Beispiel eine Viertelstunde lang die Textur von dem Surfer, auf den mich gerade Sitze angucken und mir überlegen was sind das irgendwie für Fasern.

01:04:58: Wo kommt diese Farbe her?

01:05:00: Das ist einfach etwas wo ich in allem vor allen Dingen auch in der Natur in jedem Detail irgendetwas finde was mich total begeistert und fasziniert.

01:05:10: also Ich mache einfach nur die Augen auf Und die Schwierigkeit ist dann eher mich zu entscheiden worauf ich mich fokussiere.

01:05:20: Vielleicht sollte ich mir auch angewöhnen, mal tagsüber weniger Social Media hoch und runter zu scrollen.

01:05:26: Und einfach mal mehr rauszugehen und die Dinge zu genießen.

01:05:31: Weil da ertappe ich mich manchmal halt auch dabei dass ich dann doch länger am Handy irgendwas mache was irgendwie zu nichts führt.

01:05:40: Einfach nur weil es langweilig ist.

01:05:43: Aber Faszination gibt es für mich überall.

01:05:48: Dann sage ich an der Stelle vielen Dank Lisa, es hat mich sehr gefreut.

01:05:52: Danke Teresa für die Einladung

01:05:54: und ja dann Tschüss!

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