Über den Mut die Verantwortung für ein Pflegekind zu übernehmen

Shownotes

[Pflegekinderhilfe in Deutschland - Statistik]

(https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26098225.html))

Hier noch Links, die mir von meiner Gästin empfohlen wurden:

[PFAD Bundesverband]

(https://www.pfad-bv.de/))

[Stiftung Pflegekind]

(https://stiftung-pflegekind.de/))

[Irmela Wieman]

(https://irmelawiemann.de/))

Neue Folgen Gespräche mit Mutigen gibt es jeden zweiten Dienstag, überall, wo es Podcasts gibt! 🎙️ Ich freue mich, wenn ihr wieder einschaltet, Gespräche mit Mutigen abonniert & mit fünf Sternen bewertet ⭐️

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Transkript anzeigen

00:00:01: Hallo, willkommen bei Gespräche mit Mutigen.

00:00:04: Mein Name ist Theresa und ich bin die Gastgeberin dieses Podcasts.

00:00:09: Meine heutige Gästin bleibt in dieser Folge anonym – nicht weil ihre Geschichte weniger sichtbar sein soll sondern weil wir hier einen Kind schützen

00:00:18: und auch die Erwachsenen

00:00:19: beteiligen.

00:00:21: Sie ist Pflegemutter und wir sprechen darüber wie sie zu der Entscheidung gekommen ist ein Kind aufzunehmen.

00:00:29: Wir sprechen über Nähe, Verantwortung und Liebe.

00:00:33: Auch darüber wie schwer Pflegeelternschaft sein kann.

00:00:37: Also emotional im Alltag und manchmal auch im Kontakt mit Ämtern und

00:00:44: Strukturen von denen

00:00:47: sich meine Gäste manchmal wünscht dass sie dort mehr Unterstützung bekommen würde.

00:00:54: Was ich auch spannend finde was ich davor nicht wusste In Deutschland wurden im

00:00:59: Jahr-Zw.A.k.,

00:01:01: knapp Achtundachtzigtausend junge Menschen in Pflegefamilien betreut und wenn man jetzt noch alle Kinder und Jugendlichen dazu

00:01:12: nimmt, die

00:01:13: heimbetreut werden haben wir insgesamt zweihundertzwanzigtausende junge Menschen, die außerhalb ihrer Herkunftsfamile leben.

00:01:22: Diese Folge ist ein sehr persönliches Gespräch über eine Form von

00:01:26: Mut

00:01:28: über die viel zu selten gesprochen wird und zwar der Mut Verantwortung zu übernehmen, auch dann wenn es kompliziert wird.

00:01:37: Und den Mut für ein Kind da zu sein dessen Geschichte auch ohne einen selbst begonnen hat.

00:01:45: das finde ich auf jeden Fall erzählenswert und deswegen bin ich froh heute diese Geschichte mit euch teilen zu können.

00:01:52: Viel Spaß bei der Folge!

00:01:59: Ja also mir geht's auch mal so am Anfang ... mir reinkomme, den Einstieg zu machen und dann bin ich meine Nervosität noch mit.

00:02:08: Obwohl ich heute nicht so aufgeregt bin... ...und mich relativ ruhig fühle, finde ich der Einstiege ist nicht so leicht für mich oft.

00:02:20: Genau.

00:02:21: Ja

00:02:22: das ist ja auch ein aufeinander eingroofen.

00:02:25: Total!

00:02:30: Für dich das erste Mal für mich mittlerweile, ich kann mit dem Mikro schon

00:02:34: besser umgehen.

00:02:36: Hast du dich schon angefroren?

00:02:38: Das Mikro hat schon einen Namen.

00:02:41: Nicht Horst oder?

00:02:43: Nein!

00:02:46: Ja also ich freue mich auf jeden Fall dass du da bist und dass du dich darauf eingelassen hast.

00:02:50: Und ich finde es hatten wir gerade schon.

00:02:53: aber nochmal jetzt hier das Thema Mutig sein.

00:02:59: Ich bin doch nicht mutig, aber ich finde vor allem für Menschen die so viele Hemmungen haben hier zu sprechen.

00:03:05: Für die ist alleine schon das Dasein sowas mutig und deswegen freue ich mich sehr dass du da bist und so mutig bist.

00:03:14: Und... ...ich habe mich gefragt was für dich eigentlich ein schönes Zuhause ist?

00:03:20: Was ist ein gutes Zuhauser für dich?

00:03:24: Ja, ich freu mich auch, dass ich hier bin.

00:03:26: Mal gucken wie mutig ich bin Ein schönes Zuhause.

00:03:33: Ja, ich glaube das hat schon viel mit Familie zu tun, mit Nähe und Vertrauen.

00:03:42: Es gibt diesen Spruch zu Hause kann ich Prinzessin oder Rumpelstilzchen sein auch so sein zu dürfen wie man ist.

00:03:49: für mich ist zu Hause auch ein Schutzraum Ein Raum, wo man sich wohl fühlt und jetzt nicht nur von der Einrichtung her sondern auch von den Menschen die einen umgeben.

00:04:09: Von dem Miteinander.

00:04:11: Ich glaube das ist zu Hause für mich oder ein schönes Zuhause.

00:04:15: Ja

00:04:16: und gut dass du es nochmal so aufgegriffen hast weil ich meine natürlich Wie ist dein Interieur aufgebaut?

00:04:25: Wie ist die Einsichtung, sondern wie fühlt sich das an?

00:04:28: und was auch gesagt, dass es ein Schutzraum ist.

00:04:33: Und jetzt habt ihr ja eine Pflegetochter aufgenommen und habt einen Menschen den Schutzraum gegeben und eigentlich ja einen Menschen einen Raum, wie du ihn jetzt gerade beschrieben hast, dass du das auch an ein Kind geben willst.

00:04:52: Ja, das versuchen wir zumindest.

00:04:55: Und ich glaube tatsächlich dass es ein bisschen geglückt ist weil unsere Pflegetoch da schon ja das als Zuhause empfindet bei uns.

00:05:07: sie hat einmal gesagt Das war total schön.

00:05:10: Wenn ich hier reinkomme dann ist das dieser Geruch Dieser geruch eher von den Gewürzen wahrscheinlich.

00:05:17: Wir haben ganz viele gewürze und Das habe ich so vermisst, das ist zu Hause.

00:05:23: Und ja vielleicht ist ein Geruch oder was Vertrautes auch ein Zuhause?

00:05:31: Es mit dem Geruch kann ich sehr gut nachvollziehen.

00:05:33: Du wahrscheinlich auch,

00:05:34: oder?

00:05:35: Ja nochmal kurz zum Begriff Vollzeitpflegemutter.

00:05:42: jetzt hören wahrscheinlich auch einige zu die mit dem Wort vielleicht nicht so viel anfangen können.

00:05:47: kannst du noch mal erklären Was ist es eigentlich?

00:05:49: oder Vollzeit?

00:05:50: Elternschaft, Pflegeäternschaft.

00:05:53: Genau.

00:05:56: Es gibt verschiedene Arten der Pflegschaft.

00:06:01: Eins ist die Bereitschaftspflege.

00:06:03: Das sind Menschen, die Kinder aufnehmen, wo ganz dringend der Bedarf ist das Kind aus der Familie zu holen und sich darum zu kümmern.

00:06:18: für eine befristete Zeit, bis eine andere Lösung gefunden wird oder die Gefahr für das Kind nicht mehr gegeben ist.

00:06:26: Und ja, die stehen halt bereit um jemanden aufzunehmen dann der oder die oft dann wahrscheinlich auch in einer Krisensituation.

00:06:37: Das stelle ich mir zumindest so vor.

00:06:39: genau Dann gibt es die Kurzzeitpflege.

00:06:44: Das sind Menschen, die Kinder aufnehmen befristet für ein befristeten Zeitraum.

00:06:49: Der wird oft auch vorher angegeben.

00:06:53: ich sage deshalb oft auch vorher angegeben weil das sein kann dass sich das verändert während der zeit.

00:06:59: bei uns zum beispiel war so dass unsere tochter zunächst als kurzzeitpflegekind zu uns kamen die sollte für sechs wochen kommen die alleinerziehend war, eine Haftstrafe verbüßen musste und aus den sechs Wochen sind dann sechs Monate geworden.

00:07:22: Weil der Grund für die Haftstrafe im Prinzip nur der Eisberg war von dem was in dieser Mutterschaft nicht gepasst hat für einen Aufwachsen vor einem dreijährigen Kind.

00:07:37: Sie war da drei Jahre als sie das erste Mal zu euch gekommen

00:07:40: ist?

00:07:42: Genau und dann gibt es noch die Vollzeitpflege, die ist meistens auf Dauer angelegt.

00:07:48: Das heißt man nimmt ein Kind auf und begleitet das bis es volljährig ist zumindest der Plan.

00:07:57: so richtig absehen kann man das ja nicht weil die leiblichen Eltern auch klagen können vom Familiengericht, dass das Kind wieder zu ihnen kommt und bei ihnen lebt.

00:08:10: Und von daher ist so eine Pflegschaft nie zu hundert Prozent sicher, dass das Kind für immer bei einem bleibt.

00:08:19: Ja es ist ne Begleitung die dann schon auf Dauer angelegt ist aber ja ganz sicher ist man nie und das ist natürlich auch nicht einfach.

00:08:32: Da würde ich gerne später noch mal darauf eingehen.

00:08:35: nochmal kurz zur zu den Begriffen.

00:08:38: Kurzzeit, von was reden wir hier?

00:08:40: Du hast jetzt gesagt in dem Fall waren das sechs Wochen aber ab wann ist es lang?

00:08:44: also voll Vollzeit

00:08:46: genau.

00:08:47: ich glaube die Grenze liegt so bei sechs Monaten weil man denkt dass dann das Kind eine festere Bindung eingeht und das dann ja wieder ein Bindungsabbruch wäre wenn das Kind aus der Familie käme Also bis längstens sechs Monate.

00:09:01: Ich denke es kommt so ein Stück weit auch auf das Alter des Kindes an.

00:09:07: Und ich glaube, da gibt es ganz viel Ermessensspielraum vonseiten der Entscheider beim Jugendamt und da spielen wahrscheinlich ganz viele Sachen mit rein wieviel Pflegeeltern habe ich gerade, wieviele Bereitschaftspflegeelter sind da?

00:09:22: Da weiß ich sicher dass das ja oft ein Engpass ist in der Stadt, in der ich wohne und dass von daher dann andere Entscheidungen getroffen werden müssen als die theoretischen Tee auf dem Papier stehen.

00:09:36: Und dann spielt wahrscheinlich spielen die Finanzen auch noch eine Rolle, ja und wie das halt sich entwickelt.

00:09:43: bei uns war es zum Beispiel so dass aus dieser Kurzzeitpflege dann eine Vollzeitpflege wurde.

00:09:48: das ist sehr unüblich Das macht man eigentlich nicht.

00:09:52: und bei uns ist es so gekommen weil das Kind halt ich glaube die war sechs Monate oder acht Monate sogar bei uns.

00:10:06: Und dann stand die Vollzeitpflege im Raum und dann war es irgendwie klar, dass wir das machen würden weil da schon eine Bindung da ist und weil die Mutter das auch gewünscht hat.

00:10:16: genau das war sicherlich auch ein großer Faktor dabei.

00:10:22: Wie war es für dich von?

00:10:24: ich stelle mich hier gerade darauf ein dass sich paar Monate mit einem Kind zusammen lebe und dann heißt Das soll jetzt lange gehen.

00:10:35: Mit den paar Monaten oder mit den sechs Wochen, das war aus jetziger Sicht Schnapsidee, dass man das ja mal ausprobieren könnte, mit einem Kind zu leben und wir haben das Mädchen dann sehr schnell in unser Herz geschlossen Und ja, davon ausprobieren eigentlich keine Rede mehr.

00:11:00: Und von daher hat sich das aus meiner Sicht für uns sehr schön gut gefügt, dass sie dann bei uns bleiben konnte und dass wir sie kennenlernen durften – vielleicht auch recht unbedarf, sag ich mal so.

00:11:17: Die Kehrseite dieser Konzellation ist, viel Kontakt zur Herkunftsfamilie hatte, weil das ja darauf angelegt war, dass sie wieder zurückgeht und das von daher sehr verschwurbelt verbunden ist.

00:11:34: Die Kontakte oder die Beziehungen von uns zur HerkomstfamILIE, der Tochter zur Her KomstfAMILIE und zu uns.

00:11:43: Und bis hin dazu, dass die Mutter mir Ultrascheifotos gezeigt hat in ihrer Wohnung.

00:11:55: Das war natürlich zu dem Zeitpunkt sehr schön, jetzt ist es sehr schwierig diese Familien zu trennen weil wir sind ja nicht eine große Familie sondern das Kind hat Kontakt zu beiden Familien und die Werte sind sehr unterschiedlich zwischen den beiden Familien.

00:12:22: schwieriger Akt, ein sehr schwieriges Unterfangen dann Gutes miteinander und trotzdem auch ein gutes für sich selbst oder bei sich selbst bleiben.

00:12:40: Ja ich kann es gerade nicht besser beschreiben vielleicht genau kommt das später noch mal dass da klarere Worte finde.

00:12:52: Genau, auf die Herkunftsfamilie möchte ich noch mal genauer eingehen.

00:13:03: Für mich nochmal so die Frage am Anfang vor allem ... Ihr hattet euch ja da entschieden, dass ihr das machen wollt?

00:13:11: Wie kam es eigentlich dazu oder wann hattest du das erste Mal diesen Gedanken?

00:13:16: Ich möchte das machen!

00:13:21: Man könnte auch sagen, wir sind da so ein bisschen reingerutscht.

00:13:26: Es war ... Ich wollte gerne eigene Kinder oder ein eigenes Kind haben und das hat irgendwie nicht geklappt.

00:13:40: Wir haben das zehn Jahre lang mit allen möglichen Hilfsmitteln Unterstützung Was auch immer versucht, es war eine sehr anstrengende Zeit.

00:13:53: Eine sehr frustrierende Zeit und es kam dann immer mal wieder die Idee gut wir könnten auch ein Pflegekind aufnehmen.

00:14:02: Es war sehr viel Angst davor sehr viel ja Ungewissheit oder Angst eigentlich vor dem.

00:14:11: das kann immer wieder zurückgehen zur Herkunftsfamilie Und ich glaube Bindung geht nicht in Stufen.

00:14:21: Also man lässt sich da voll drauf ein und dann ist die Gefahr, dass das Kind nicht bleibt oder wieder zurückgeht ohne dass man selbst damit entscheiden kann oder darf.

00:14:38: Genau!

00:14:40: Und dann hatten wir uns schon mal dazu entschieden und gesagt okay, das probieren wir aus habe ich eben schon gesagt und dann wurde ich schwanger Und dann war es wieder vom Tisch, das war eine Eileiderschwangerschaft.

00:14:55: Genau!

00:14:55: Dann mussten wir uns davon erst mal wieder erholen und beim zweiten Mal wurde ich noch einmal schwanger, noch eine Eyleiderschwangerschaft und dann kam irgendwann der Punkt wo ich gesagt habe.

00:15:08: Ich möchte eine Zeit in meinem Leben mit einem Kind verbringen Ja, meine Mann so ein bisschen auch die Pistole auf die Brust gesetzt habe und gesagt hat was ist jetzt?

00:15:19: Er war da viel skeptischer als ich.

00:15:22: Und er hätte sich auch einen Leben ohne Kinder gut vorstellen können.

00:15:27: Dann hat er aber gesagt okay dann lassen wir uns darauf ein und probieren das mal!

00:15:35: So sind wir halt zu der Kurzzeitpflege gekommen Genau, nachdem wir auch umgezogen sind.

00:15:40: Wir haben vorher in einer Wohnung gewohnt, wo gar kein Platz für ein Kind gewesen wäre und durch den Umzug gab es dann ein eigenes Zimmer.

00:15:50: und war das denn auch von den Räumlichkeiten möglich?

00:15:55: Und wie habt ihr euch dann informieren können?

00:15:58: Gibt's da im Internet oder habt ihr dann im Internet gesucht?

00:16:03: oder gibt's vor Ort Gruppen?

00:16:06: Wie läuft so was ab?

00:16:08: Ich habe relativ viel gelesen und wir hatten den speziellen Fall, dass unsere Nachbarin im Pflegekinderdienst gearbeitet hat.

00:16:19: Und ja, wir da sehr nah an Informationsquellen waren und immer wieder was mitgekriegt haben und ja das ist von daher etwas recht Vertrautes war Es war sicherlich blauäugig.

00:16:38: Also ich habe mich nicht intensivst damit beschäftigt und für die Kurzzeitpflege, ich weiß gar nicht eine Bewerbung brauchten wir glaube ich aber nicht so einen Vorbereitungskurs Und von daher sind wir halt haben da angefangen und es war ein bisschen learning by doing.

00:16:58: Klar waren Erfahrungen.

00:16:59: Ich war au pair nach der Nach der Schule für zwei Jahre, hab schon seit ich zwölf bin Baby gesittet.

00:17:09: Es waren viele praktische Erfahrungen da und hatte Pädagogik-Leistungskurs.

00:17:14: also habe mich viel mit Erziehung beschäftigt und war auch immer bei meinen Nichten Neffen dabei, hat mich viel damit auseinandergesetzt, die als Ferienkinder genau... Also da gab's praktische Vorerfahrungen, auf die ich zurückgreifen konnte.

00:17:32: Und sicherlich aber auch viel Neues, weil die Mutterrolle eine ganz andere ist als die Tanten, die Babysitter oder auch die Nanny-Rolle.

00:17:43: Und ihr wurde dann ja kontaktiert?

00:17:48: Genau!

00:17:49: Ich weiß nicht, war das ein Anruf, den ihr bekommen habt?

00:17:52: Es gäbe hier ein Mädchen ...

00:17:54: Genau, ja, das war irgendwie ganz absurd.

00:17:59: Zuerst sind wir angefragt worden einen, ich glaube acht oder neun Jahre alten Jungen aufzunehmen.

00:18:06: Und ja, je älter das Kind ist, je mehr es ist geprägt von der Herkunftsfamilie.

00:18:12: und da waren wir so ein bisschen unsicher aber haben trotzdem gesagt Ja machen wir.

00:18:17: Dann war's aber so dass dieser Junge dann doch beim Vater leben konnte.

00:18:25: relativ schnell danach, der Anruf ein dreijähriges Mädchen sucht.

00:18:30: Eine Kurzzeitpflege-Familie und ich weiß noch genau... Also ich stand unter der Dusche und dann kam mein Mann rein und fragte ob wir ein Dreijährigsmädchen aufnehmen würden?

00:18:42: Und dann habe ich nur sehr kurz überlegt und gesagt ja!

00:18:47: Wenn man das so im Nachhinein denkt eine große Entscheidung oder sowas was sehr lebensprägend immer noch ist unter der Dusche zu machen.

00:18:59: Es war sicherlich auch eine Bauchentscheidung, wobei wir natürlich vorher uns entschlossen hatten.

00:19:03: aber dann wurde es eben konkret und das war dann anders als dass darüber nachdenken.

00:19:11: Ja ich nehme an also wie du ja auch schon gerade gesagt hast ihr habt euch ja schon sehr lange damit beschäftigt.

00:19:16: Das war jetzt nicht von heute auf morgen sondern Ihr wart darauf vorbereitet, ihr hattet auch schon bei einer anderen Person gesagt ja das machen wir.

00:19:24: Dann lief die Geschichte anders aber du warst ja dann eigentlich auch vorbereitet und es ist so gut wie man eben darauf vorbereitete sein kann vielleicht?

00:19:38: Ja es war dieser Wunsch und es war dass drauf einlassen und gedanklich hatten wir uns auseinander gesetzt.

00:19:50: völlig aufregend und ganz anders als das dann plötzlich konkret wurde, Mädchen drei Jahre.

00:19:57: Und sonst wussten wir nichts und wir durften sie auch nicht vorher kennenlernen und es war da nur an dem und dem Wochentag kommt sie und dann war so okay.

00:20:11: also jetzt brauchen wir irgendwie ein Bett Jetzt brauchen wir so ein Triptrapstuhl, wo sie sitzen kann.

00:20:19: Es war völlig unklar mit was sie kommen würde und dann war es schon aufregend zu überlegen.

00:20:30: Und ich glaube, wir haben es auch wenigen Leuten gesagt.

00:20:32: Wir haben das dann mit uns selber ausgemacht und geguckt diese Möbel zu besorgen einen Platz für Sie zu machen aufgeregt zu sein und ja, auch freudig in der Erwartung was da jetzt auf uns zukommt.

00:20:51: Und wer da jetzt in unsere Familien, unsere Wohnungen

00:20:55: kommt?

00:20:57: Weißt du wieso ihr sie nicht davor kennenlernen durfte oder was das für einen Grund hat?

00:21:04: Das war mal die Mutter ja eine Haftstrafe verbüßen sollte und wenn vorher also wenn die ein Verdacht geschöpft hätte dass da was kommt, also das war auch für die überraschend.

00:21:16: Die ist von der Polizei in dem Morgen abgeholt worden.

00:21:19: Dann hätte sie untertauchen können oder so.

00:21:22: und wenn das Kind erzählt hatte, oh, da war heute jemand im Kindergarten, die wollte mich kennenlernen.

00:21:28: So eine nette Frau, also es war irgendwie so top-secret.

00:21:33: Ah, verstehe... dann ist das Mädchen auch zu euch gekommen sehr kurz davor, nur dass jetzt anscheinend ein neuer Abschnitt passiert.

00:21:45: Dass jetzt in eine neue Familie kommt?

00:21:48: Ja ich weiß gar nicht.

00:21:50: also die Polizei war dann dort im Haus der Mutter und der Jugendschutz Und die haben dann auch mit ihr gespielt und wollten sie dann zu uns bringen.

00:22:01: und dann hat sich kleine gesagt nein ich will den Kindergarten und ist dann den Kinder Garten marschiert Und dann wurden wir angerufen, dass wir sie im Kindergarten abholen können.

00:22:11: Was für uns natürlich ein großes Glück war, weil wir so mit den Kindergärtnerinnen noch ein bisschen sprechen konnten.

00:22:17: was mag sie essen?

00:22:18: Was ist ihre Lieblingsfarbe?

00:22:21: Welche Kleidergröße hat sie?

00:22:23: Weil sie tatsächlich nur das mithatte, was sie am Leib trug und ihr Lieblinskuschelt hier, was uns auch sehr lange begleitet hat ja und für Sie sicherlich auch ganz wichtig war.

00:22:37: Ja, und sie hat das recht gut genommen.

00:22:40: Sie ist irgendwie gleich auf mich zugelaufen was ich sehr irritierend fand weil sie kannte mich ja gar nicht Und dann wurde er halt gesagt dass wir sie heute abholen kommen und dass sie dann bei uns mit zu uns gehen würde.

00:22:59: Als wir sie dann abholen kam, da wollte sie erst nicht mitgehen und hatte viele Ideen was sie sonst machen könnte.

00:23:05: Nämlich mit der Kindergärtnerin nach Hause gehen Und die hat dann gesagt ja ich habe aber kein Bett für dich

00:23:11: oder

00:23:12: Was wollte sie noch?

00:23:14: Ich erinnere mich nicht mehr wirklich Aber Sie hat eine Zeit lang gebraucht an und wollte ihre Schuhe auch nicht anziehen.

00:23:22: Dann hab ich vorgeschlagen Wir könnten jetzt zum Trampolin gehen und da noch ein bisschen spielen Und das fand sie dann super, hat die Schuhe angezogen und ist mitgekommen.

00:23:30: Dann waren wir noch beim Trampolin, haben dort gespielt... ...und als wir zu uns nach Hause kamen war das Nachbarsmädchen da, die ich glaube sechs Jahre älter ist,... ...und dann ist sie zu ihr und ist gleich mit ihr hoch gegangen und wollte zu ihr in die Wohnung.

00:23:51: Also sie war..., ja daran sieht man wahrscheinlich schon dass... Sie wäre, glaube ich die erste Zeit mit jedem mitgegangen der E-Gummibärchen gegeben hätte oder sympathisch vorkam.

00:24:06: Das zeug schon so ein bisschen von einer nicht wirklich festen Bindung, die da war von einem Suchen auch nach Stabilität oder nach jemandem zu dem sie gehören könnte ein Wechseln können zwischen verschiedenen Personen.

00:24:31: Und wie waren dann die ersten Wochen?

00:24:33: Also ich stelle es mir sofort zwei Leute lernen sich dann, also ein Kind natürlich und zwei Erwachsene lernen sich kennen und das braucht ja ein bisschen um Vertrauen aufzubauen und sich kennenzulernen.

00:24:49: Wie habt ihr's da geschafft irgendwie ihr Vertrauen so zu gewinnen?

00:24:55: Es gab ja denen Kindergarten, der auch geblieben ist.

00:24:58: Das war ganz wichtig um was Bleibendes Stabiles für sie zu haben und da haben wir natürlich von den Kindergärtnerinnen immer wieder Gespräche geführt einiges gelernt über sie Und natürlich Zuhause auch was Sie.

00:25:16: es ist am Anfang eine Phase gewesen das Haben die Sachbearbeiter vom Jugendamt uns auch so erklärt aber sie sehr angepasst.

00:25:25: Es war ja für sie Alles neu.

00:25:28: Und ja, da hat sie alles gegessen.

00:25:31: also sie hat sich nie gewährt und Sie hat immer Schwierigkeiten beim Schlafen gehabt.

00:25:39: Dann hat sie immer noch einzuschlafen.

00:25:46: Ja, ich kann es gar nicht mehr so richtig sagen wir haben halt gespielt.

00:25:50: natürlich stand sie im Mittelpunkt Wir haben mit ihr geredet, wir haben sie beobachtet.

00:25:58: Wir haben natürlich auch gefragt was sie gerne ist.

00:26:01: Wir hatten mit ihr Dinge unternommen und gemerkt ich erinnere mich an eine Situation da haben wir Stöckchen in so ein Flüsschenbach geworfen.

00:26:12: Da war halt so ne kleine Brücke drüber und dann sind wir auf die andere Seite von der Brücke gelaufen wo dann das Stöcken raus kam und sie war... Ich glaube dass hatte sie noch nie gemacht vorher.

00:26:23: Also sie war hin und weg, und sie ist ein sehr begeisterungsfähiges Kind.

00:26:28: Was er alles aufgesaugt hat was wir ihr geboten hört sich jetzt blöd an was wir ja gemeinsam erlebt haben gemeinsam unternommen haben.

00:26:42: Und sie war da sehr offen und ich glaube hatte auch einen Draht zu uns Zu mir erst mal mehr als zu meinem Mann Und zudem aber auch.

00:26:53: Also sie war sehr schnell, auch sehr anhänglich oder sehr vertraut.

00:27:01: Sie hat das irgendwie nie in Frage gestellt, dass sie jetzt bei uns ist und sie hat auch nie Heimweg geäußert oder geweint weil sie zu ihrer Mama wollte.

00:27:16: Genau, sie konnte sich gut darauf einlassen was es... und sicherlich leichter gemacht hat.

00:27:23: Und das Vertrauen, denke ich ist gekommen.

00:27:24: Ich meine zwei Erwachsene freuen sich über ein Kind was da ist verwöhnen es bis über beide Ohren.

00:27:32: Das fand sie natürlich toll so viel Aufmerksamkeit und findet sie immer noch toll wie jetzt nicht mehr so.

00:27:41: Aber ja, ich glaube dass war schon ein großer Teil auch uns aneinander zu... gewöhnen oder das Vertrauen aufzubauen, was denke ich auch gelungen ist.

00:27:53: Kannst du dich an irgendwie einen Moment erinnern wo du für dich gemerkt hast?

00:27:58: Das fühlt sich jetzt nach Familie an!

00:28:03: Es waren am Anfang ganz viele Glücksmomente wo ich so das Gefühl habe ja so hab ich mir das vorgestellt.

00:28:16: erfüllt mich das oder ist es sehr berührend, sehr positiv berührand für mich?

00:28:23: Ja wenn wir gespielt haben.

00:28:25: Wenn wir gelacht haben, wenn sie ins Bett kam zum Kuscheln.

00:28:30: Wenn sie ja irgendwas Witziges gemacht hat die gemeinsamen Unternehmungen das auseinandersetzen mit wie geht das unseren Kindergarten ab?

00:28:41: Wie sind die anderen Kinder Die Eltern, sie war in einem integrativen Kindergarten.

00:28:49: Ja wo natürlich auch viel für mich zum Lernen gab und ich viel beobachten konnte wie Kinder mit besonderen Bedürfnissen und Kinder die nicht integrativ Kinder waren ja zusammen im Kindergarten sind und die Kinder da das ganz normal finden, da keinen Unterschied machen.

00:29:20: Also wie das schon in den frühen Jahren so gelebt wird.

00:29:26: Und glaube ich sehr gut ist für die Vielfältigkeit in unserer Gesellschaft.

00:29:31: Genau!

00:29:33: Es hat sehr lange gedauert bis ich mich als Mama gefühlt habe.

00:29:40: Das weiß ich auch noch... Ja, weil ja auch das ein Gewöhnungsprozess ist oder einen Rheinwachsen vielleicht.

00:29:51: Genau also diese Glücksmomente waren recht schnell recht viele da Das als Mama fühlen hat sehr lange gedauert.

00:29:59: Was würdest du sagen?

00:30:01: Wie lang hat es gedauern?

00:30:05: Zwei drei Jahre bestimmt.

00:30:11: und was dir vorhin auch gesagt dass die biologischen Eltern, wenn ich das nicht verstanden habe, auch einklagen können, dass jetzt wieder Kontakt oder mehr Kontakt oder das Kind komplett bei sich haben wollen.

00:30:24: Ich stelle mir das emotional unfassbar schmerzlich ... Also das kann unerfassbar Schmerzlich sein.

00:30:31: Wenn du ja

00:30:33: als

00:30:34: Elternteil so wie du jetzt, du baust eine Bindung auf dann hast du jetzt gerade gesagt es hat Bei dir gedauert, bis du dich auch wirklich so gesehen hast.

00:30:43: Ich bin Mutter und mit dem Wissen aber das könnte mir weggenommen werden Und also irgendwie diesen Spagat zu haben auf der einen Seite einen Menschen so sehr zu lieben und auf der anderen Seite im Hinterkopf zu haben okay aber Wenn alles die gereisen, dann hast oder habe ich es vorhin richtig verstanden.

00:31:08: Du hättest keine Rechtern auch wieder irgendwie zu klaren?

00:31:11: Oder das ist rechtlich gesehen haben da Vollzeitpflege Eltern einen sehr schweren Stand vor dem Gesetz.

00:31:23: Vollzeit Pflegeeltern oder Pflegeältern haben in Deutschland eigentlich gar keine Rechte würde ich sagen.

00:31:30: Es gibt da die Vormundschaft.

00:31:33: Also das ist ja ein sehr komplexes System.

00:31:36: Es gibt das Jugendamt, was im Prinzip zwischen Herkunftseltern und Pflegeeltern steht und im Sinne des Kindeswohls entscheiden.

00:31:54: Wie war die Frage?

00:31:55: Da fange ich wieder an...

00:31:58: Das ist mir eine sehr schwere Vorstelle die diesen Spagat zu haben, zwischen ganz viel Liebe da zu haben und auf der anderen Seite zu wissen.

00:32:07: Aber eigentlich kann ich gar nichts machen wenn mir das weggenommen wird oder ich dann keinen Kontakt mehr habe.

00:32:13: Das

00:32:14: Rechtliche?

00:32:14: Genau, dass ich da einen sehr schweren Stand hab.

00:32:19: Rechtlich haben aus meiner Sicht Pflegeeltern in Deutschland keine Rechte.

00:32:27: Das ist ja ein sehr komplexes System.

00:32:31: die Sachbearbeiter beim Jugendamt, die zwischen der Herkunftsfamilie und der Pflegefamilien stehen.

00:32:41: Und im Sinne des Kindeswohls entscheiden sollen sowohl was Besuchskontakte angeht wie ja auch sonstige Vereinbarungen und Ziele für die Entwicklung des Kindens und Entscheidungen genau mittragen oder vielleicht auch da beratend tätig sein können oder sollen.

00:33:07: Dann gibt es den Vormund, das können Pflegeeltern selbst übernehmen meistens erst nach einer gewissen Zeit.

00:33:17: aber bei uns zum Beispiel ist das ein Amtsvormund die verschiedene rechtliche Dinge ausführt wie zb das Aufenthaltsbestimmungsrecht die Entscheidungen in Gesundheitsfragen und die Entscheidung oder Vollmacht für Gelder, die beantragt werden können.

00:33:38: Genau!

00:33:40: Und das wird halt dort abgesprochen und wir ja viele Pflegeeltern sehen sich oft als billige Dienstleister sage ich mal so ein bisschen.

00:33:52: Das ist natürlich sehr verletzend und wir fühlen uns allerdings auch sehr häufig so Genau und von daher ist das schon ein Riesenspargat.

00:34:05: Ich muss sagen, bei mir kommt es so in Wellen mal belastet mich das total ärgert mich macht mich wütend unmächtig Und das ist ja nicht aushaltbar dass immer so intensiv zu fühlen und Mal gibt es Zeiten da ist mir das gar nicht im Kopf Ja und da ist das Vertrauen so groß schon so bleiben wird, dass wir das Kind noch eine Zeit begleiten dürfen.

00:34:33: Und es ist ja auch so, dass ein Kind einem nie gehört.

00:34:38: Von daher kann's einem nicht weggenommen werden.

00:34:40: Es ist halt die Idee zu sagen ich begleite das Kind und gebe dem was mit.

00:34:49: Auch leibliche Kinder werden sich irgendwann lösen und irgendwann gehen.

00:34:54: Da ist meine Hoffnung natürlich, erwachsen ist, ja einmal dass sie gut auf eigenen Beinen stehen kann und das sie dann vielleicht auch noch gerne mit uns Kontakt hat oder Kontakt hält.

00:35:06: Aber das weiß man auch bei leiblichen Kindern nicht.

00:35:09: Das ist so der Weg der Dinge in einem Pflegeverhältnis.

00:35:15: Kann es halt sein, dass dieser Bruch schon vorher ist?

00:35:25: habe ich schon viele Tränen vergossen.

00:35:28: Ja, auch in dem Schmerz keine eigenen Kinder zu haben und in dem Unterschied den das halt macht von dem was man beeinflussen kann also von genau und von dem wie man von dem System sag' ich mal auch Wie Ich mich Von dem System behandelt fühlen.

00:35:51: Das ist oft nicht gut.

00:35:55: Du hast gesagt, es kommt so in Wellen.

00:35:58: Passieren die Wellen?

00:35:59: Weil dann irgendwie Konflikte passieren?

00:36:03: Ja, unsere Tochter hat viel Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie und die Herkünftes-Familien ist auch immer wieder nicht einverstanden damit dass sie bei uns groß wird.

00:36:18: ich sage immer die ziehen ganz viel.

00:36:21: das Kind hat ganz viele Sehnsucht zur Herkunst Familie Und gleichzeitig ist es nicht möglich, dass sie dort ganz wieder lebt.

00:36:33: Ich glaube als Pflegeeltern steht man immer hinter der Herkunftsfamilie und bei mir ist manchmal dieses Gefühl der Konkurrenz da – ich kann da nur verlieren!

00:36:46: Dabei mache ich's doch so gut und ich mach' es viel besser, das ist mein Gefühl Und ich hab die viel besseren Werte und ich geb dem Kind soviel mehr.

00:36:55: Darum geht's aber im Prinzip nicht, es geht darum ist das Kind gefährdet?

00:37:00: Ist das Kindeswohl gefährdet in der Herkunftsfamilie oder ist es das Nicht?

00:37:06: Es geht nicht drum, ob's das Kind besser hat bei den Pflegeeltern.

00:37:10: Auch da bin ich dann ja ohnmächtig, ich kann im Prinzip nichts tun was dahin führt dass sie bei uns bleibt Und vielleicht will sie das ja auch selber nicht mehr.

00:37:21: Das tut alles furchtbar weh und scheint auch manchmal sehr schwer aushaltbar, dann gibt es wie gesagt wieder die Zeiten wo ich das lockerer sehen kann.

00:37:32: Ich glaube Auslöser sind bei mir ganz viel die Kontakte zur Herkunftsfamilie und ihre starke Sehnsucht und ja auch das Verhalten der Herkünftesfamile uns gegenüber Und die Haltung, vielleicht das noch mehr als das Verhalten.

00:37:52: Die bemühen sich schon und die Haltung ist aber ja dass wir Fremdkörper sind und eigentlich bis hin zu ihnen das Kind weggenommen haben ganz irrationale Dinge.

00:38:06: also kein Verantwortung übernehmen für die Dinge die passiert sind dass es dazu gekommen ist

00:38:14: Obwohl du ja am Anfang auch gesagt hast, dass eigentlich das sehr positiv war und die Familie, so habe ich es verstanden, am Anfang gesagt hat.

00:38:22: Ja toll!

00:38:24: Und es hat sich dann so gewandelt über die Zeit?

00:38:27: Genau.

00:38:29: Da waren ganz viele Schwankungen drin.

00:38:32: Ganz viele Vorsätze der leiblichen Mutter ihr Leben in den Griff zu kriegen... nicht gelungen sind oder nicht zu Ende geführt wurden und von daher hängt es auch sehr stark, von dem was ja die Mutter gerade umtreibt oder was für Bedürfnisse Sehnsüchte sie hat.

00:39:00: Ja ich denke viel auch wie's ihr geht das spielt ganz viel da rein Wie ja wie auch das Kind beeinflusst ist und wie es mir oder uns in unserer Familie geht.

00:39:17: Wie viel Kontakt hat sie jetzt mit der Herkunftsfamilie?

00:39:22: Die HerkufsfAMilie ist sehr groß, es gibt Geschwistern und Großeltern.

00:39:31: Es gibt die Mutter.

00:39:34: Rechtlich ist es so, dass die Muttern recht auf Kontakt haben.

00:39:41: In unserem Fall ist es so, dass die Kontakte bei der Großmutter stattfinden.

00:39:46: Da oft die Mutter hinkommt ein Geschwister bei der Grossmutter auch aufwächst und das ist einmal im Monat für zwei Tage unbegleitet also von Samstag zehn Uhr bis Sonntagsechzehn Uhr, dass sie Zeit bei ihrer Herkunftsfamilie verbringt.

00:40:11: Dann gibt es immer noch so Besonderheiten wie die Feste natürlich, Weihnachten in erster Linie Geburtstage aber jetzt auch Kominion und Konfirmationen

00:40:23: wo

00:40:24: zusätzliche Besuchskontakte sind.

00:40:27: Es haben auch Urlaube stattgefunden schon mit der Großmutter und der Schwester.

00:40:34: Und gerade ist es so dass auch unsere Tochter ja sehr gerne Kontakt zur Herkunftsfamilie hat und sich sehr dahin gezogen fühlt, die viel cooler und viel näher an ihren Werten findet als sie das bei uns empfindet.

00:41:04: Das stelle ich mir auch als Kind sehr schwer vor irgendwie... einen Loyalitätskonflikt zu haben, weil ihr so wichtige Leute in ihrem Lebenszeit und dann natürlich noch die biologischen Eltern auch wichtig sind.

00:41:21: Und ja da zwischen den Welten zu sein vor allem wenn sie ja noch so viel Kontakt hat weißt du ob das Bei euch jetzt so der Fall ist dieser hohe Kontakt, weil du gesagt hast am Anfang war das ja erst auf Kurzzeit ausgelegt und da war dann noch mehr Kontakt.

00:41:40: Und deswegen ist noch so viel Kontakt.

00:41:42: oder ist es eigentlich generell auch bei Kindern wo's vielleicht von Anfang an so geplant war?

00:41:52: Ich glaube, dass ist bei uns ein ganz besonderer Fall.

00:41:56: Oft sind die Kontakte begleitet Und über einige Stunden finden dann oft in den Räumen des Jugendamtes statt mit einer Besuchsbegleitung.

00:42:13: Das hat einen anderen Namen, komme ich gerade nicht drauf... die dort sind und im Raum sind mit den Kindern und den Eltern.

00:42:23: Es ist sehr individuell wie oft, wie lange das stattfindet, mit wem auch genau bei uns.

00:42:32: Ich denke, das kommt schon von diesem Rahmen.

00:42:38: Dass es zuerst die Kurzzeitpflege war und die Großmutter ist sehr aktiv.

00:42:47: Ja ich glaube sie ist sehr traurig dass sie in ihren Lebensumständen das Kind nicht auch zu sich aufnehmen konnte und die hält sehr treu und sehr zuverlässig den Kontakt.

00:43:04: Genau, die finden regelmäßig statt die Kontakte und hat sehr viel dafür gekämpft.

00:43:09: Die wollte sogar zweimal im Monat ein Wochenende.

00:43:13: Und da haben wir dann mit dem Jugendamt geschaut weil das natürlich schwierig ist wenn wir nur zwei Wochenenden im Monats zur Verfügung haben um mit ihr was zu machen.

00:43:28: Die Oma Ja, auch mehr Zeit mit ihr.

00:43:32: inzwischen hat sich das eingespielt.

00:43:33: Es ist schon seit langen Jahren so dass es eben einmal im Monat mit Übernachtung ist plus diese Sondertermine was aber auch immer wieder angepasst wird in den Hilfeplangesprächen.

00:43:47: Das sind Gespräche mit der Herkunftsfamilie und dem Jugendamt und dem Vormund wo dann Ziele für theoretisch das nächste halbe Jahr oft finden die aber seltener statt also für die nächste Zeit besprochen werden.

00:44:04: Das heißt, rechtlich hast du keine Möglichkeit oder du hast keine Rechte aber du bist in Kontakt mit dem Jugendamt und die besprechen dann mit euch was ist gut fürs Kind?

00:44:19: Und wie ... Also das Jugendamt kann dann ja rechtliche Dinge ausführen.

00:44:25: Genau.

00:44:26: Okay.

00:44:28: Und der Vormund, der ja das Aufenthaltsbestimmungsrecht hat.

00:44:32: Also mit dem müssen wir zum Beispiel auch absprechen.

00:44:38: Wenn ich eine weitere Reise mache, spreche ich das mit dem Vormunt vorher ab und hole mir die Erlaubnis

00:44:46: dazu.".

00:44:48: Okay, und der Vomund ist in der Herkunftsfamilie oder ist er beim Jugendamt?

00:44:52: Der ist im Prinzip unabhängig.

00:44:55: es gibt verschiedene Institutionen vor Münder stellen.

00:45:03: In unserem Fall ist das die Stadt, in der wir wohnen, die diesen Vormund stellt.

00:45:12: Das sind also Menschen, die eigentlich gar nichts mit diesem Kind zu tun haben, sondern einfach nur gesetzlich irgendwo eingetragen sind?

00:45:21: Genau!

00:45:22: Die kommen aber regelmäßig zu uns nach Hause und reden mit dem Kind schauen, ob es dem gut geht.

00:45:32: Ja je älter die Kinder werden, je mehr besprechen sie und versuchen halt auch ein Vertrauensverhältnis aufzubauen durch Geburtstagsgeschenke oder Karten zu Weihnachten gemeinsame Unternehmungen um eben ja mit dem Kind auch zu besprechen wie geht's dir in der Pflegefamilie?

00:45:53: Was möchtest du vielleicht auch?

00:45:56: Wie sind die Kontakte zur Herkunftsfamilie?

00:45:59: Also da wird das Kind schon in gewisser Weise mit einbezogen und sie müssen das schriftlich festhalten, protokollieren wie dieses Pflegeverhältnis läuft.

00:46:09: Und auch sicherstellen dass das Kind sicher ist oder dass das kind nicht in seinem Kindeswohl gefährdet

00:46:21: D.h.,

00:46:21: da kommt dann niemand zu euch, das ist jetzt ein Termin?

00:46:25: Wie viel Bürokratie hast du so im Alltag dadurch?

00:46:31: Ich muss halt verfügbar sein und kooperieren mit dem Jugendamt.

00:46:36: Es gibt diese Termine für die Hilfeplangespräche es gibt die Besuche vom Vormund es gibt manchmal Telefonate mit Absprachen Es gibt Bürokratie in dem Sinne, wenn ich ein Ausweis beantrage.

00:46:53: Muss das über den Vormund laufen?

00:46:55: Wenn das Kind krank ist muss ich das mit dem Vormunt abstimmen besprechen genau aufschreiben also protokollieren oder so muss sich im Prinzip nichts.

00:47:11: es ist eher diese verfügbarkeit und dieses Ja, eigentlich keine Rechte haben.

00:47:17: Was mich dann eher belastet oder was ich schwierig finde auch ja das dauert oft alles sehr lange Das sind keine kurzen Dienstwege und keine schnellen Absprachen Und dann ist wieder jemand in Urlaub Dann muss sich jemand darunter wieder absichern dann ist er nicht erreichbar.

00:47:39: also dass das nervt.

00:47:43: Würdest du sagen dieses keine Rechte haben.

00:47:48: Das Thema ist, was für dich an Belasteten bei der Geschichte ist?

00:47:54: Ja es ist zumindest eine sehr große Belastung die ich auch als sehr abwertend empfinde.

00:48:00: ja weil wir im Prinzip den Alltag stemmen, der oft herausfordernd ist und auf der anderen Seite Aber nicht was mitgestalten oder entscheiden können.

00:48:16: Und dass dann jemand entscheidet, der das Kind viel weniger kennt?

00:48:21: Ich fühle mich da oft wie ein billiger Dienstleister und ja... Das ist schon eine Belastung!

00:48:32: Der Staat gerade regelt, wie es läuft und da auch etwas geändert werden könnte.

00:48:39: Genau, das ist auch schon lange die Idee.

00:48:43: eine Forscherin, die sehr stark dahinter ist, die Rechte für Pflegeeltern zu stärken.

00:48:50: Das ist ein sehr langwieriger Prozess, wo ich hoffe dass sich da irgendwann was tut und ja da mehr die Kompetenz der Pflege Eltern auch genutzt wird und die Pflegeeltern mehr mitentscheiden dürfen.

00:49:09: Und vielleicht sogar irgendwann der Punkt kommt, dass man sagt, wenn das Kind so ein zu viel Jahre in der Pflegefamilie lebt soll es da bleiben oder darf es sicher sein, dass es da bleibt?

00:49:21: weil es für die Pflegekinder natürlich auch eine gewisse Unsicherheit ist, die sie zumindest spüren denke ich und Sicherheit irgendwie wichtig ist.

00:49:35: Wobei man natürlich nicht weiß ob sie in der Pflegefamilie bleiben wollen.

00:49:39: oder lieber zu den Herkunftseltern.

00:49:42: Da ist dieser Loyalitätskonflikt, der da ist und belastend für das Kind ist.

00:49:49: Da geht es darum, dass die Erwachsenen das gut klären können – was aber nicht immer gelingt.

00:49:56: Da menschelt's ganz viel!

00:50:00: Was man machen möchte und was man denkt, was richtig wäre und was dann gelingt zu tun ... Da ist häufig eine Diskrepanz zwischen, zumindest bei mir.

00:50:12: Und das ist ja schon ein Punkt.

00:50:14: also Familie ist ja auf der einen Seite sehr privat und persönlich und da ich finde in deinem Beispiel sieht man jetzt einfach wie wahnsinnig viel der Staat damit eingreift Hast du vorhin auch mal gesagt, dass diese Ohnmacht oder diesen Machtlosigkeit so ... Du kannst nichts machen.

00:50:35: Du bist irgendwie in diesem System mit drin und gibst dein Bestes und tust alles fürs Kind.

00:50:42: Und am Ende ist es dann vielleicht nicht genug um jetzt wirklich voll... Also wie du hast das natürlich auch schön gesagt ein Kind gehört dir natürlich nie!

00:50:53: Auch in Familien wo biologische Mutter und Vater und Kind alle zusammen sind, muss es auch nicht heißen dass das eine gute Beziehung ist.

00:51:03: Und da gehen Kinder auch weg weil sie sich entzweien und so.

00:51:06: aber das ist natürlich noch mal durch die staatliche Komponente und dieses sehr rechtlich geregelte bei dir natürlich bei der Geschichte die du jetzt gerade erzählst nochmal diese Komponente.

00:51:18: ich bin ganz nah emotional an diesen Menschen dann aber eigentlich in manchen Fällen dann wieder doch nicht.

00:51:27: Ja, dass es diese zwei Familien gibt.

00:51:32: Das hat ja oft auch von den Werten oder den Rahmenbedingungen sehr große Unterschiede die das Kind auch irgendwie händeln muss wenn es in beiden Familien ist oder zwischen den Familien hin und her geht Und man merkt an diesen rechtlichen Kompetenzen, die man hat oder den rechtlichen Rechten.

00:52:01: Dass es eben kein leibliches Kind ist sondern ein Pflegekind und dass die Rechte bei den leiblichen Eltern liegen was halt wieder dieses Dienstleister-Tum bedeutet.

00:52:13: und eben die Diskrepanz ist wie du es beschrieben hast zwischen der Nähe dem man zu den Menschen hat zwischen den Ideen ja vielleicht auch Erwartungen beeinflussen kann, beeinflussend darf.

00:52:30: Bestimmen darf.

00:52:32: auch genau das ist ganz schwierig und das wussten wir alles am Anfang nicht.

00:52:39: ich glaube wenn man das weiß dann macht man es nicht.

00:52:42: aber ich glaube dass bei leitlichen Kindern auch so dass eine bewusste Entscheidung wenn man alles wüsste was da auf einen zukommt ja einfach Blöd ist.

00:53:00: Und man wächst aber ja da rein, man lernt das Kennen.

00:53:05: auch dieses ganze System, auch da hatten wir keine Ahnung von und da braucht es Unterstützung.

00:53:11: die haben wir Gott sei Dank jetzt in einer Supervision und bei einer Beratungsstelle gefunden, die uns wirklich sehr sehr weiterhelfen dass gut zu händeln und auch in Krisensituationen da sind.

00:53:26: Ja, und so ist Schritt für Schritt können wir weiter gestalten.

00:53:32: Und auch mit dem Älterwerden des Kindes der jetzt fast jugendlichen neue Wege finden, neue Wegen gehen ja vielleicht auch das Öffnen mehr die Entscheidung oder dass was das Mädchen möchte in unser Miteinander oder ihren Lebensweg einzubeziehen zumindest wünschenswert, dass das System mit einbezieht.

00:54:06: Auf was bist du denn stolz, was du oder ihr als Familie geschafft habt?

00:54:13: Ich glaube, dass wir es schon geschafft haben dem Kind ein Zuhause zu geben.

00:54:21: Ein Ort wo sie auch über schwierige Dinge reden kann... ziemlich oft rebelliert, was uns immer gesagt wird das es ein Zeichen des Vertrauens ist und dass sie das da tun kann.

00:54:37: Dass die sich sicher fühlt natürlich oft nicht leicht auszuhalten Ja und Das wir viele gemeinsame Erlebnisse haben.

00:54:50: ich weiß nicht ob das stolz ist aber ja das ist sehr schön Darauf zurückgreifen zu können und dass Sie auch einen teil unserer Großfamilie ist, also meiner Eltern.

00:55:04: Meiner Schwiegereltern, meiner Geschwister, dass sie auch da irgendwie dazugehört.

00:55:11: Das freut mich sehr und es glaube ich für Sie ja auch eine schöne Erfahrung und ich denke manchmal hat so das ganze Tableau an Möglichkeiten, an Lebenswegen kennengelernt oder zumindest zwei sehr, sehr unterschiedliche Rangehensweisen ans Leben.

00:55:31: Und sie wird dann später wählen können und ich glaube Sie hat sowohl viel Nähe zu Ihrer leiblichen Mutter wie auch Sie und Ich haben einen guten Draht zueinander und ja kennen uns gut so.

00:55:50: Das ist eigentlich wieder ein schöner Bogen.

00:55:52: zu dem ganz am Anfang der Was ist mein Zuhause für dich?

00:55:56: Jetzt hast du das auch wieder aufgegriffen und dass ihr bieten könnt.

00:56:03: Und einfach so für sie eine Rückzugsort, einen Ort wo sie hinkommen kann und wo sie sicher ist und was einfach total wertvoll ist?

00:56:15: Ich würde sagen bis hierhin haben wir es!

00:56:19: Und ich danke dir für dein offenes Gespräch über ein schweres Thema Dass du den Mut hattest, heute hierher zu kommen und dich überwunden hast.

00:56:32: Ich fand es sehr bewegend und hat mich sehr gefreut dass du so offen

00:56:36: warst.

00:56:38: Ich danke dir für deine

00:56:39: Ermutigung!

00:56:45: Das wars schon wieder mit der Folge.

00:56:48: Vielen Dank das ihr euch Zeit genommen habt für dieses Gespräch Und ich hoffe sehr, dass ihr etwas daraus mitnehmen könnt.

00:56:56: Einen Gedanken ein Gefühl oder auch einen kleinen wenig Mut für euren Alltag!

00:57:03: Wenn euch der Podcast gefällt freue ich mich wirklich total wenn ihr ihn abonniert weiter empfehlt oder bewertet.

00:57:11: das hilft mir sehr vor allem in der Anfangsphase in der ich mich gerade befinde.

00:57:19: Ein herzliches Dankeschön geht natürlich auch an Konstantin

00:57:22: für Ton und Schnitt.

00:57:25: Und wenn ihr selbst Teil von Gesprächen mit Mutigen sein möchtet, wenn ihr eure Geschichte teilen wollt oder vielleicht eine Person kennt die hier unbedingt ihre Geschichte erzählen sollte dann schreibt mir gerne!

00:57:39: Ihr findet alle Kontaktmöglichkeiten in den Show Notes.

00:57:43: Bis dahin ciao.

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